Ausgabe 01 | 2020

BERUFSBILDUNG

Ausstellung

In die Berufslehre eintauchen

Die Ausstellung «Im Innern der Lehre» macht Aspekte der betrieblichen Ausbildung erlebbar. Sie beleuchtet die positiven Seiten, die Herausforderungen und die Probleme der Schweizer Berufsbildung.

Von Isabelle Dauner Gardiol, Barbara Duc und Nadia Lamamra, Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB

Die Ausstellung «Im Innern der Lehre» wurde im Rahmen des Instruments AGORA des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) realisiert. Ziel von AGORA ist es, der Gesellschaft wissenschaftliche Projekte näherzubringen. Die Ausstellung stützt sich auf die Ergebnisse verschiedener soziologischer Studien des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung EHB, die sich mit Lernenden sowie mit Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern in Betrieben befassten (siehe Literaturhinweise). Die Studien beleuchteten insbesondere den betrieblichen Teil der beruflichen Grundbildung. So steht im Zentrum der Ausstellung denn auch die Ausbildung in einem Lehrbetrieb vom Anfang bis zum Ende, das heisst von der Anstellung bis zum Berufsabschluss. Gezeigt werden auch die Herausforderungen, die die Ausbildung im Lehrbetrieb mit sich bringt. Diese werden nicht nur mit Zahlen und Fakten, sondern auch mit Erfahrungen und Zitaten von Lernenden und Berufsbildenden verdeutlicht. Die Ausstellung zeichnet einen vollständigen Ausbildungsweg nach und zeigt den Besucherinnen und Besuchern, wie ein Beruf vermittelt wird und wie aus Lernenden künftige Berufsleute werden. Die Ausstellung wird finanziell vom SNF, von der Westschweizer Lotterie, der Westschweizer Lehrmittelkommission für die Berufsbildung, der Abteilung Lehrmittel der CIIP sowie den kantonalen Berufsbildungsfonds Waadt und Wallis unterstützt und gastiert an verschiedenen Berufsmessen in der Schweiz.

Warum eine Ausstellung?

Zu den Herausforderungen des Projekts gehörte es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse einem breiten Publikum zu präsentieren und zugleich die Bedeutung der Forschungsarbeit in diesem Bereich aufzuzeigen. Die Wahl der geeigneten Medien spielte folglich eine wichtige Rolle. Die Präsentation der Forschungsergebnisse in Form einer Ausstellung bietet den Vorteil, dass sowohl die Perspektive der Forschenden (Statistiken, Daten, Ergebnisse) als auch die der untersuchten Akteure (Lernende und Berufsbildende) eingebunden werden kann. Auf diese Weise werden die Probleme, die die Forschung identifiziert hat, um die Erfahrungen der von der Problematik betroffenen Personen ergänzt. Dank den verschiedenen Ebenen und Standpunkten können Fragen rund um die Berufsbildung nuancierter beleuchtet werden, als dies die Werbebotschaften vom «Schweizer Erfolgsmodell» zu tun vermögen. Die Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern überdies Gelegenheit, sich durch Eintauchen in die betriebliche Ausbildung über die Realität der Berufsbildung im Betrieb zu informieren. Unterstützt wird dieses Erleben des Ausbildungsalltags durch den interaktiven Charakter der Ausstellungslandschaft. Immer wieder können sich die Besucher/innen selbst in bestimmte Situationen versetzen und zum Beispiel den Rekrutierungsprozess, den stressigen Alltag des Berufsbildners, der seine übrige Arbeit nicht vernachlässigen darf, oder die Planung der weiteren Laufbahn nach dem Berufsabschluss nachvollziehen. Je nach Situation müssen die Besucherinnen und Besucher in die Rolle einer Berufsbildnerin/eines Berufsbildners oder eines Lernenden schlüpfen.

Aufbau der Ausstellung

Die Ausstellung präsentiert den gesamten Ausbildungsweg im Lehrbetrieb. Im ersten Raum wird auf den Stellenwert der Berufsbildung, insbesondere der dualen Berufsbildung, in der Schweiz hingewiesen. Der zweite Raum widmet sich dem Schlüsselmoment der Anstellung, und zwar aus Sicht der Berufsbildner/innen und der Lernenden. Im dritten Raum lernen die Besucher/innen den Ausbildungsalltag und die damit verbundenen Herausforderungen kennen: die Vermittlung von beruflichen Fertigkeiten beim Arbeiten, das Spannungsfeld zwischen produktiver Arbeit und Ausbildung sowie die häufig als zu knapp empfundene Zeit, die fürs Ausbilden zur Verfügung steht. Der nächste Raum widmet sich dem Ausbildungsende und dem Berufsabschluss. Beim Ausgang haben die Besucher/innen die Möglichkeit, sich für eine von mehreren Türen zu entscheiden (eine Stelle finden, Ausbildung fortsetzen usw.). In der Mitte der Ausstellung befindet sich ein Bereich, der von jedem Ausstellungsraum aus zugänglich ist. Hier werden die Probleme thematisiert, die während der ganzen Ausbildung, von der Anstellung bis hin zum Ausbildungsende, auftreten können. Hier sollen auch die Aspekte zur Sprache kommen, die in der Schweizer Berufsbildung sonst selten behandelt werden.

Zielpublikum und Lehrmittel

Die Ausstellung richtet sich vorwiegend an Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Schulaustritt, die sich über die Berufslehre informieren wollen. In der Ausstellung sollen sie diesen Bildungsweg besser kennenlernen und sich so auf diese neue Welt vorbereiten können. Angesprochen sind aber auch die Begleitpersonen der Jugendlichen, das heisst Lehrpersonen und Eltern, sowie Berufsbildner/innen und Berufsverbände. Ihnen soll die Ausstellung Informations- und Reflexionsquelle zugleich sein. Den Besuchern und Besucherinnen stehen verschiedene Instrumente zur Vorbereitung und Ergänzung der Ausstellung zur Verfügung. Auf der Website www.expo-apprentissage.ch sind weiterführende Informationen und Dokumente zu finden, so etwa ein pädagogisches Dossier für Lehrpersonen, die mit ihren Schülerinnen und Schülern den Ausstellungsbesuch vor- und nachbereiten wollen. Neben den Ausstellungstexten wurden zudem Dialoge verfasst, die sich um die Themen drehen, die in den einzelnen Ausstellungsräumen behandelt werden. Und schliesslich werden verschiedene Aktivitäten wie geführte Besuche, Vorträge, Round Tables, Diskussionen usw. angeboten. Die Ausstellung «Im Innern der Lehre» soll die Lehre «von innen» zeigen, sie bietet den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, vorgefasste Meinungen zu hinterfragen und sich eingehender mit den positiven, aber auch den negativen Seiten der Berufsbildung zu befassen. Ein Wunsch der Ausstellungsorganisatoren ist es zudem, die Berufsbildner/innen und die Lernenden zu Wort kommen zu lassen, denn diese haben nur selten Gelegenheit, sich zu äussern. Und schliesslich soll die Ausstellung der Öffentlichkeit die Forschungsarbeiten im Bereich der Berufsbildung näherbringen.

Links und Literaturhinweise

www.expo-apprentissage.ch
Duc, B., Lamamra, N. (2014): Parcours de jeunes suite à un arrêt d’apprentissage. Un éclairage inédit sur la transition de l’école au monde du travail. Renens, EHB. 
Lamamra, N., & Masdonati, J. (2009): Arrêter une formation professionnelle. Lausanne, Éditions Antipodes.
Lamamra, N., Duc, B., Besozzi, R. (2019): Au cœur du système dual: les formateurs et formatrices en entreprise. Résultats d’une recherche et pistes d’action pour les acteurs de la formation professionnelle. Renens, EHB.

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