Ausgabe 02 | 2017

BERUFSBERATUNG

Studienberatung

Die Studienwahl unterstützen – aber wie?

In der ganzen Schweiz aktualisieren oder entwickeln die Gymnasien ihre Konzepte zum Studienwahlprozess. Wie es dazu kam und wie zwei ausgewählte Kantone vorgehen.

Von Anna Zbinden Lüthi, PANORAMA-Redaktorin

Gegenwärtig überprüfen oder erarbeiten Mittelschul- und Berufsbildungsämter, Studien- und Laufbahnberatungen und Gymnasien der ganzen Schweiz ihre Konzepte zur Studien- und Berufswahlvorbereitung von Mittelschülern/-innen. Diese Aktivitäten sind eine indirekte Folge des Projekts EVAMAR II, welches vor zehn Jahren Lücken in der Studierfähigkeit der Maturanden/-innen festgestellt hatte. In der Folge haben sich Bund und Kantone auf das bildungspolitische Ziel geeinigt, dass der prüfungsfreie Zugang zu den universitären Hochschulen langfristig gesichert werden solle, indem die Gymnasien die allgemeine Studierfähigkeit gewährleisten. 2012 wurden zur Erreichung dieses Ziels von der Plenarversammlung der EDK zusammen mit dem Bund fünf Teilprojekte in Auftrag gegeben. Teilprojekt vier befasste sich mit der Optimierung der Studien- und Laufbahnberatung an den Gymnasien. Die Teilprojektgruppe empfahl unter anderem, dass Schulleitungen und BSLB ein Konzept mit einem Studien- und Berufswahlfahrplan für die ganze Gymnasialzeit erstellen sollen. Im Frühjahr 2016 gab die EDK im Einverständnis mit dem Bund folgende Empfehlung ab: «Die Kantone erlassen Rahmenvorgaben zur Entwicklung und Umsetzung von Konzepten zur Berufs-, Studien- und Laufbahnwahl an ihren Gymnasien.» Und sie hielt fest, dass es Sache der Kantone bleibe, angemessene Ressourcen für die Einführung und Fortführung der Konzepte zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig beauftragte die EDK die Schweizerische Mittelschulämterkonferenz (SMAK), Instrumente für die Erfolgskontrolle zur Verfügung zu stellen. Die SMAK ihrerseits erteilte dem Schweizerischen Zentrum für die Mittelschule (ZEM CES, ehemals WBZ CPS) ein Mandat mit den folgenden Zielen:
– Die kantonalen Konzepte werden erstellt, umgesetzt und in Zusammenarbeit mit Partnern wie der KBSB auf ihre Wirksamkeit und den Erfolg überprüft.
– Das ZEM CES führt im Auftrag der SMAK die operative Umsetzung der Erfolgskontrolle durch.
Zu diesem Zweck entwickelt derzeit das ZEM CES zusammen mit der KBSB und der KSGR (Konferenz schweizerischer Gymnasialrektorinnen und -rektoren) ein Konzept, mit dem die Wirksamkeit und der Erfolg der von den Gymnasien entwickelten Rahmenkonzepte überprüft werden sollen.

Studienwahlvorbereitung beginnt nun früher

In den Kantonen sind die Umsetzungsarbeiten in vollem Gange: Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich beispielsweise hat in Zusammenarbeit mit betroffenen Institutionen und Konferenzen 2016 ein Rahmenkonzept entwickelt, auf dessen Basis und unter Einhaltung der Eckwerte jede Mittelschule ihr eigenes Studien- und Berufswahlkonzept definieren kann. Ein Studienwahl-Fahrplan hält Pflicht- und Wahlmodule fest, eine Dokumentation erläutert die schuleigene Umsetzung des Konzepts und stellt Checklisten zur Verfügung. Gemäss Stefan Gerig, Leiter der Studienberatung Zürich, wurde bereits 2011 als Strategie festgelegt:
– Alle Kantonsschüler/innen erhalten das gleiche Angebot.
– Die Berufs- und Studienberatung ist integraler Bestandteil des Schulangebotes.
– Die Prozesse sind standardisiert.
Zusätzlich suche die Studienberatung nun häufiger und früher den Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen, kooperiere enger mit allen Schulen und achte auf eine regelmässige Kommunikation, so Gerig. Neu gibt es beispielsweise bereits im Untergymnasium Infoveranstaltungen für Eltern, einen Kurzbrief über das Bildungsangebot und die Veranstaltung «Untergymnasium – wie weiter?». Auch im Kanton Schwyz erstellen die Mittelschulen schuleigene Konzepte zur Studienwahlvorbereitung. Grundlage für die Konzepte sind Richtlinien und Meilensteine, die auf der Website der Schwyzer Studienberatung aufgeschaltet sind. Eine zusätzliche Basis bietet das Konzept der Zentralschweizer Studienberatungsstellen zur Studienwahlvorbereitung an Mittelschulen. Dieses widerspiegelt die gemeinsame Haltung der Zentralschweizer Fachleute. Im Sinne der «lifelong guidance» beginnt die Studienwahlvorbereitung bereits in den ersten beiden Jahren des Gymnasiums. «Wir unterstützen die Mittelschulen bei Bedarf bei der Erstellung der Konzepte und beurteilen diese anschliessend zusammen mit dem Amt für Mittel- und Hochschulen», ergänzt Sandra Thüring, Leiterin der Studienberatung Schwyz.

Links und Literaturhinweise

www.kbsb.ch
www.bi.zh.ch
www.sz.ch

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