Ausgabe 02 | 2017

BERUFSBERATUNG

Berufliche Laufbahnen

FaGe und FaBe: Sprungbrett oder Sackgasse?

Die Laufbahnen im Gesundheitsbereich unterscheiden sich deutlich von denjenigen im Sozialbereich. Das kann mit den Arbeitsbedingungen und dem Bildungsangebot erklärt werden.

Von Patrizia Salzmann (PHSG, aktuell EHB), Zippora Bührer (PHZH) und Simone Berweger (PHZH, aktuell PHSZ)

Die Ausbildung zur FaBe mündet in der Regel direkt in den Wunschberuf. (Bild: Thierry Porchet/SDBB)

Die Ausbildung zur FaBe mündet in der Regel direkt in den Wunschberuf. (Bild: Thierry Porchet/SDBB)

Vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels im Gesundheits- und Sozialbereich wurde in der Studie «Committed to the profession» (ProCom) die Laufbahnentwicklung von Fachpersonen Gesundheit (FaGe) und Fachpersonen Betreuung (FaBe) mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis rund vier Jahre nach Abschluss der beruflichen Grundbildung analysiert. Es zeigte sich, dass zu diesem Zeitpunkt rund 90% der befragten 533 Personen im angestammten Berufsfeld Gesundheit bzw. Soziales tätig sind. Ein kleiner Teil hat das Berufsfeld verlassen oder kümmert sich ausschliesslich um die Betreuung von Kindern. Etwa jede zehnte Person äussert die Absicht, den Gesundheits- und Sozialbereich verlassen und in einem anderen Berufsfeld arbeiten zu wollen. Es fällt auf, dass rund 90% der FaBe ihrem Beruf treu geblieben sind. Bei den FaGe hingegen arbeiten rund 60% in einem anderen Beruf im Gesundheits- und Sozialbereich, gut zwei Drittel davon als diplomierte Pflegefachkräfte. Vier Jahre nach Lehrabschluss haben deutlich mehr FaGe (54%) als FaBe (19%) einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe – insbesondere Stufe höhere Berufsbildung – erreicht. Dabei ist anzumerken, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung entsprechende Qualifikationsprofile teilweise noch nicht etabliert waren. Das Interesse an einer Aus- oder Weiterbildung ist jedoch in beiden Berufsgruppen hoch. Knapp ein Viertel der befragten Personen absolviert eine Aus- oder Weiterbildung, ein Teil davon berufsbegleitend. Die grosse Mehrheit macht eine Ausbildung innerhalb des Gesundheits- oder Sozialbereichs, am häufigsten auf Stufe höhere Berufsbildung.

Logischer Karriereschritt

Für mehr als zwei Drittel der FaGe waren die mangelnde Autonomie und der geringe Handlungsspielraum im erlernten Beruf ausschlaggebend für den Berufswechsel innerhalb des Gesundheits- und Sozialbereichs: Eine FaGe, die sich zur Pflegefachfrau weitergebildet hat, schrieb: «Mich hat es gestört, dass ich bei allem, was ich tun wollte, nachfragen und es mir bestätigen lassen musste.» Auch der als zu gering eingeschätzte Lohn war ein wichtiger Grund für den Berufswechsel. Rund ein Drittel der Personen nutzte die berufliche Grundbildung zur FaGe als Ausgangspunkt für die weitere Berufslaufbahn mit dem Ziel, später in ihrem Wunschberuf, häufig Pflegefachkraft, arbeiten zu können. Die zeitliche Belastung war nur für wenige FaGe ein Grund für den Berufswechsel. Für die vergleichsweise wenigen FaBe, die nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten, war der Lohn ebenfalls ausschlaggebend. «Als Familienvater hatte ich einen zu geringen Lohn, um davon leben zu können», schrieb ein Mann, der die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolvierte. Auch fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten wurden von den FaBe als wichtiger Grund für den Berufswechsel angegeben: Man habe als FaBe wenig Aufstiegschancen, andere Berufe würden eine grössere Auswahl in den verschiedenen Arbeitsbereichen und mehr spezifische Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Die Ergebnisse legen nahe, dass die berufliche Grundbildung zur FaGe von vielen als Sprungbrett für die weitere Berufslaufbahn gewählt wurde, während die Ausbildung zur FaBe direkt in den Wunschberuf mündete, im Hinblick auf berufliche Entwicklungsmöglichkeiten jedoch strukturell bedingte Hürden aufweist. Für das Gesundheitswesen stellt sich die Frage, ob es wünschenswert ist, wenn die Mehrheit der FaGe weniger als vier Jahre im Beruf bleibt. Diese Frage ist insbesondere vor dem Hintergrund zu diskutieren, dass die Befragten als wichtige Motive für den Berufswechsel angeben, dass ihnen Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen und die erworbenen Kompetenzen im Berufsalltag selbstständig einzusetzen, gefehlt haben. Bei den FaBe wäre es aufschlussreich zu untersuchen, wie sich der Befund, dass in der Betreuung aktuell keine vergleichbar attraktiven Laufbahnperspektiven auf Tertiärstufe geboten werden, längerfristig auf die Berufslaufbahn und den Verbleib im Berufsfeld auswirkt.

Links und Literaturhinweise

www.phsg.ch

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