Ausgabe 02 | 2017

BERUFSBILDUNG

Berufliche Übergänge

AHVN13 birgt enormes Analysepotenzial

Mit der neuen dreizehnstelligen AHV-Nummer ist es möglich, breit angelegte Analysen von Bildungsverläufen durchzuführen. Das Bundesamt für Statistik BFS schöpft dieses neue Potenzial aus.

Von Laura Perret Ducommun, PANORAMA-Redaktorin

Stellen Sie sich vor, man könnte den Bildungsverlauf einer Person nachzeichnen, vom Eintritt in die Volksschule über die Aufnahme einer höheren Aus- oder Weiterbildung bis hin zur Vorbereitung auf den Ruhestand. Das würde der Politik und der Bildungs- und Forschungssteuerung einen riesigen Informationsschatz und ein enormes Analysepotenzial eröffnen! 2015 wurde diese Fiktion mit der Einführung eines einmaligen Personenidentifikators, der 13-stelligen AHV-Nummer (AHVN13), zur Realität. Die AHVN13 wird künftig für alle statistischen Erhebungen im Bildungsbereich verwendet. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat 2015 mit dem Projekt LABB ein Programm für Längsschnittanalysen im Bildungsbereich eingeführt, um das neue Potenzial der AHVN13 besser auszuschöpfen. Das Projekt verfolgt zwei Ziele: 1) Versorgen von Forschenden und Kantonen mit jährlich aktualisierten Daten; 2) Messen von Übertritten und regelmässige Publikation von Studien zu Übergängen und Bildungsverläufen. Die Verwendung der AHVN13 ist allerdings nicht unproblematisch. Theoretisch wäre es möglich, verschiedene Statistiken miteinander zu verknüpfen und diese für politische Zwecke zu missbrauchen. Damit der Datenschutz dennoch gewährleistet ist, wurden umfassende Sicherheitsmassnahmen getroffen.

Erste Ergebnisse

Seit der Einführung der AHVN13 hat das BFS vier Publikationen veröffentlicht, darunter «Der Übergang am Ende der obligatorischen Schule» (2016), «Übergänge und Verläufe auf der Sekundarstufe II» (2015) und «Übergänge und Verläufe auf der Tertiärstufe» (2015). Die Analyse des Übergangs am Ende der obligatorischen Schule hat unter anderem ergeben, dass 95% der Abgänger/innen der obligatorischen Schule innerhalb von zwei Jahren in eine zertifizierende Ausbildung auf Sekundarstufe II eintreten. 66% entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung und 29% für eine allgemeinbildende Schule. Frauen wählen öfter als Männer eine Allgemeinbildung oder eine dreijährige EFZ-Ausbildung. In der Westschweiz liegen die EFZ-Ausbildungen und die allgemeinbildenden Schulen gleichauf, während in der deutschsprachigen und rätoromanischen Schweiz Erstere mit beinahe 3 zu 1 überwiegen. Im Tessin ist der Anteil der Jugendlichen, die in eine gymnasiale Ausbildung übertreten, besonders hoch. Insgesamt absolvieren 14% der Schulabgänger/innen eine Übergangsausbildung. Die Untersuchung der Übergänge auf der Sekundarstufe II zeigte unter anderem, dass 4% der Lernenden im ersten EBA-Lehrjahr in eine EFZ-Ausbildung wechseln. 34% der Lernenden, die ein EBA erlangt haben, absolvieren im gleichen Jahr oder im Folgejahr eine EFZ-Ausbildung. Ausserdem zeigte sich, dass die Repetitionsquote sowohl in den Berufsbildungs- als auch in den anderen Bildungsgängen der Sekundarstufe II im ersten Jahr am höchsten ist. Bei den Übergängen auf der Tertiärstufe sind neuerdings neben Informationen zu den Hochschulen auch Informationen zu den höheren Fachschulen verfügbar. Die Messung der Durchlässigkeit zwischen höheren Fachschulen (HF) und Fachhochschulen (FH) ergab, dass 6% der HF-Absolventen/ -innen ihr Studium an einer FH fortsetzen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Bildungsfeldern: Während 18% der HF-Absolventen mit einem Abschluss in Informatik ihr Studium an einer FH fortsetzen, sind es im Sozialwesen lediglich 1%.

Links und Literaturhinweise

www.labb.bfs.admin.ch

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Die AHVN13 kurz erklärt

Die AHVN13 wurde mit dem Registerharmonisierungsgesetz vom 23. Juni 2006 eingeführt. Sie wird einmalig einer einzigen Person zugeteilt und nach deren Tod nicht erneut vergeben. Es handelt sich um eine «nicht sprechende» Zahl, aus der sich keine Informationen wie etwa Geburtsdatum oder Nationalität der Versicherten ableiten lassen. Die Bewirtschaftung obliegt der alleinigen Verantwortung der Zentralen Ausgleichsstelle ZAS (www.zas.admin.ch) in Genf. Die Verwendung ist im Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung strikt geregelt. Mit der Einführung der AHVN13 wurden die Analysemöglichkeiten erweitert und die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Erhebungen und Befragungen für statistische Zwecke erleichtert. Die AHVN13 wird in verschiedenen Bereichen verwendet: Sozialversicherungen, Statistik, Verrechnung von medizinischen Leistungen, Steuerverwaltung, Bevölkerungsschutz, berufliche Vorsorge, Strafregister. Eine fiktive 13-stellige AHV-Nummer könnte wie folgt lauten: 756.1234.5678.97.

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