Ausgabe 01 | 2017

BERUFSBILDUNG

OdA Santé

Fachkräftemangel in der Pflege

Noch bis 2025 dürfte der jährliche Bedarf an Pflegepersonal nur etwa zur Hälfte gedeckt sein. Dies obwohl die Zahl der Abschlüsse in nichtuniversitären Gesundheitsberufen zwischen 2010 und 2014 stark zugenommen hat. Was ist der Grund für den anhaltenden Personalmangel und wie kann er behoben werden?

Von Laura Perret Ducommun, PANORAMA-Redaktorin

Qualifiziertes Personal ist rar. Ein Ansatz ist es, bestehende Fachpersonen zu einem Verbleib zu motivieren. (Bild:Reto Klink)

Qualifiziertes Personal ist rar. Ein Ansatz ist es, bestehende Fachpersonen zu einem Verbleib zu motivieren. (Bild:Reto Klink)

Im Gesundheitsbereich herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel. Trotz grosser Anstrengungen bei der Ausbildungstätigkeit wird bis 2025 nur gut die Hälfte des Personalbedarfs im Pflegebereich gedeckt sein. Gemäss dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium müssten in den nächsten zehn Jahren 40'000 zusätzliche Pflegefachkräfte rekrutiert werden, 70 Prozent davon für die Langzeitpflege. Vor diesem Hintergrund haben die schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und die nationale Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdA Santé) nach dem ersten nationalen Versorgungsbericht für nicht-universitäre Gesundheitsberufe von 2009 einen zweiten Versorgungsbericht in Auftrag gegeben, der im September 2016 veröffentlicht wurde.

Verschiedene Ursachen

Gemäss diesem Versorgungsbericht von 2016 hat die Zahl der Ausbildungsabschlüsse zwischen 2010 und 2014 deutlich zugenommen. Im Bereich Pflege und Betreuung stieg sie beispielsweise um 32 Prozent. Die höchste Zunahme verzeichnete die berufliche Grundbildung Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe EFZ) mit einer Steigerung von 45 Prozent gegenüber 2010. Die Abschlusszahl an höheren Fachschulen (HF) blieb hingegen mit mageren zwei Prozent Zunahme gegenüber 2010 unter den Erwartungen. Das dürfte daran liegen, dass in den Berichtsjahren der Übergang von der altrechtlichen Pflegeausbildung zur HF-Ausbildung stattfand und sich auch die FaGe-Ausbildung, die als Grundlage für die HF-Studiengänge dient, erst im Aufbau befand. Obwohl grosse Anstrengungen bei der Ausbildung des Pflegenachwuchses unternommen wurden, ist das Problem noch lange nicht gelöst. Das fehlende Personal wird heute im Ausland rekrutiert. Der Grund für den geringen Deckungsgrad liegt im wachsenden Personalbedarf, aber auch in der kurzen Berufsverweildauer des Personals. Besonders alarmierend ist die Situation bei den Pflegeberufen der Tertiärstufe. Hier liegt der Deckungsgrad bei gerade einmal 43,1 Prozent. Auf Sekundarstufe II lag er bei den Pflegeberufen mit EFZ im Jahr 2014 immerhin bei 75 Prozent. Beim EBA-Profil Assistent/in Gesundheit und Soziales (AGS EBA), das sich noch in der Einführungsphase befindet, lag der Deckungsgrad bei 39 Prozent. Nach Einschätzung der Branche sollte der Nachwuchs auf dieser Stufe jedoch auf längere Sicht ausreichen.

Handlungsfelder innerhalb der Branche

Um bei einem grösseren Personenkreis das Interesse für einen Gesundheitsberuf zu wecken, haben die OdA Santé und die Berufsverbände neue Berufsprofile auf Ebene der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung entwickelt. Ein Beispiel dafür ist die eidgenössische Berufsprüfung Fachfrau/Fachmann Langzeitpflege und -betreuung, die im Herbst 2016 erstmals durchgeführt wurde. Zurzeit werden im Projekt «Eidgenössische Prüfungen im Pflegebereich» die Qualifikationsprofile für eine Berufsprüfung und sechs höhere Fachprüfungen erarbeitet. Doch Ausbildungsmassnahmen alleine reichen nicht aus, um den steigenden Bedarf an Gesundheitspersonal zu decken. Der Bericht schlägt mehrere Handlungsfelder vor, um das aktive Personal im Beruf zu halten, den beruflichen Wiedereinstieg zu fördern und Personen, die sich beruflich neu orientieren möchten, durch geeignete Ausbildungsprogramme und Finanzhilfen zu gewinnen.

Massnahmen des Bundes

Auch der Bundesrat hat im Dezember 2016 bekannt gegeben, dass er Massnahmen einführen will, um mehr Fachkräfte für die Langzeitpflege zu gewinnen und das Pflegepersonal länger im Beruf zu halten. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative will er das Image der Ausbildung und der Karriere in Langzeitpflegeberufen durch eine Kampagne verbessern. Zudem beabsichtigt der Bundesrat, Wiedereinstiegskurse finanziell zu unterstützen, mit dem Ziel, von 2018 bis 2022 rund 2000 diplomierte Pflegefachkräfte im Bereich Langzeitpflege zurückzugewinnen. Schliesslich will der Bund auch die Verbesserung des Arbeitsumfelds finanziell unterstützen.

Links und Literaturhinweise

GDK/OdASanté (2016): Nationaler Versorgungsbericht für die Gesundheitsberufe 2016. Bern.

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