Ausgabe 05 | 2016

Fokus "Kleinstberufe"

«Association suisse des métiers d’arts»

Kunsthandwerksberufe aufwerten

Vier Westschweizer Kantone haben eine Vereinigung des Kunsthandwerks (ASMA) gegründet. Welches sind ihre Ziele?

Interview: Ingrid Rollier, PANORAMA-Redaktorin

Thierry Hogan ist Generalsekretär der ASMA. (Bild: zvg)

Thierry Hogan ist Generalsekretär der ASMA. (Bild: zvg)

PANORAMA: Die ASMA wurde im Mai 2016 gegründet. Welches sind ihre Aktivitäten und Ziele? Thierry Hogan: Wir fassen die Aktionen der Kantone zur Förderung des Kunsthandwerks zusammen in der Absicht, die Berufe aufzuwerten, ihnen ein Schaufenster zu geben, den Transfer von traditionellem Know-how und die Ausbildung zu fördern. Unser Vorzeigeprojekt ist aber die Lancierung der einmal jährlich stattfindenden Europäischen Tage des Kunsthandwerks. Ein ganzes Wochenende lang öffnen selbstständige oder in einem Atelier beschäftigte Kunsthandwerker ihre Türen für das Publikum und zeigen ihre Arbeiten in den vielfältigsten Bereichen wie Geigenbau, Teppichweberei, Sattlerei usw. Die von den Kantonen und den Berufsverbänden gemeinsam durchgeführte Veranstaltung erfreut sich seit ihrer Erstausführung im Jahr 2012 immer grösserer Beliebtheit.

Warum sind solche Aktionen wichtig?
Diese Kleinstberufe bilden einen Nischenmarkt, es handelt sich um einen kreativen Wirtschaftszweig, der nicht an andere Standorte verlagert werden kann. Er schafft einen Mehrwert, und seine Authentizität sollte bewahrt werden. Einige dieser Berufe sind am Verschwinden, die Ausbildung wurde eingestellt, obwohl es für die Produkte nach wie vor einen Markt gibt. Wir möchten dazu beitragen, dass diese Ausbildungen wieder angeboten werden. Das Publikum zeigt grosses Interesse am Tag des Kunsthandwerks. Eine Befragung hat ergeben, dass die Veranstaltung einerseits aus Neugier auf das Handwerk und das damit verbundene Know-how und andererseits aus beruflichen Gründen besucht wird, weil die Besucher auf der Suche nach Ideen für eine berufliche Umorientierung sind. Andere gaben an, dass ihnen der Fortbestand dieser Kleinstberufe am Herzen liegt.

Wer sind die Mitglieder der ASMA?
Aktuell setzt sich die Vereinigung aus den vier Westschweizer Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt zusammen. Wir möchten aber weiter wachsen. Die Gespräche mit interessierten Kantonen aus anderen Sprachregionen laufen.

Wie definieren Sie «Kunsthandwerk»?
Eine Definition ist schwierig. Kunsthandwerksberufe decken ein breites wirtschaftliches Spektrum ab und umfassen verschiedene Bildungsstufen wie EFZ, höhere Fachschule, Privatausbildung, Weiterbildung und Lernen «on the job». Die ASMA definiert den Begriff «Kunsthandwerker» wie folgt: Eine Person, die einen Werkstoff manuell bearbeitet und althergebrachtes, traditionelles Wissen nutzt, um limitierte Serien oder Einzelstücke zu fertigen. Wir führen ein Verzeichnis, das über 200 Kunsthandwerksberufe umfasst.

Links und Literaturhinweise

www.journeesdesmetiersdart.ch

Kommentare
 
 
 
imgCaptcha
 

Nächste Ausgabe

PANORAMA Nr. 4 | 2020 mit dem Fokus «Laufbahnmuster» erscheint am 21. August.