Ausgabe 02 | 2016

BERUFSBILDUNG

Flüchtlinge

Grosse Herausforderung

Die berufliche Integration von Flüchtlingen ist anspruchsvoll. Vieles fehlt, aber es gibt auch hoffnungsvolle Ansätze.

Von Daniel Fleischmann, PANORAMA-Redaktor

Die Zahl der Personen im Alter zwischen 16 und 25, die in der Schweiz um Asyl nachsuchten, hat sich zwischen 2014 und 2015 mehr als verdoppelt – von 8184 auf 17'374 Personen. Diese Zunahme akzentuiert bereits bestehende Herausforderungen. Denn neben den Flüchtlingen gibt es weitere spät eingereiste junge Erwachsene, etwa über den Familiennachzug. Von all diesen jungen Erwachsenen besitzt ein Viertel keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung auf Sekundarstufe II. Ende 2013 dürften das gemäss einer Bestandesaufnahme des Büros BASS rund 13'500 Personen gewesen sein. Die berufliche Integration dieser Personen fordert viele Behörden heraus – Berufsbildung, Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, Sozialhilfe und Integrationsförderung. Wie anspruchsvoll sie ist, zeigt die Bestandesaufnahme. Sie berichtet über viele gute Ansätze in den Kantonen, aber auch von einer hohen Komplexität der Aufgabe und vielen Schwachstellen. So mangele es vielerorts bei der Information und Sensibilisierung, fehlten spezifische Sprachkurse, sei zu wenig Zeit für den Übergang oder gebe es zu wenige Plätze in integrativen Brückenangeboten. Dazu kommen ein ungenügendes Talentmanagement, fehlende Begleitung der Späteingereisten auf dem Weg in eine Berufsausbildung, die schwierige Finanzierung einer Ausbildung oder unklare Zuständigkeiten. Der Bundesrat hat im Dezember 2015 Begleitmassnahmen zur Verstärkung der Integrationsmassnahmen für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene beschlossen. Sie zielen auf eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt – zum Beispiel über eine Integrationsvorlehre. Gleichzeitig haben das Generalsekretariat der EDK, das SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) und das SEM (Staatssekretariat für Migration) auf Einladung des Generalsekretariats der EDK Gespräche aufgenommen, die zu einem Commitment über folgende Aspekte führen sollen:
- Festhalten an der bestehenden Zielsetzung, dass 95 Prozent der 25-Jährigen in der Schweiz einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreichen. Möglichst viele spät zugewanderte Jugendliche sollen in reguläre Bildungsgänge gebracht werden.
- Ein gemeinsames Verständnis für die dafür notwendigen Phasen (Abklärung, Voraussetzungen schaffen für Einstieg, Absolvieren der Ausbildungen) und der Rollen erreichen. Welche Aufgaben haben die Bildungs- respektive Integrationsbehörden? Wer finanziert zum Beispiel Abklärungen zum Bildungsbedarf der jungen Erwachsenen?
Diese Abklärungen sollen dazu beitragen, wo notwendig die bestehenden Angebote in den Kantonen zu unterstützen oder diese gezielt zu ergänzen. In vielen Kantonen werden – neben der Führung bewährter Angebote – auch neue pragmatische Lösungen entwickelt. In Bern etwa ist die Zahl der Integrationsklassen in den letzten zwei Jahren von 16 auf 33 gestiegen. Um besser auf die höchst unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der jungen Immigrierten einzugehen, wurde ein Konzept für ein zweijähriges, modularisiertes Brückenangebot entwickelt. Es wird im Sommer 2016 eingeführt. Zur Vermeidung von Wartelisten wurden zudem Teilzeitmodelle eingerichtet, die sich überraschend gut bewährt haben – halb Schule, halb betreute Aktivitäten in einem jugendgerechten Aufnahmezentrum. Sie werden weitergeführt. Eingeführt wurde auch eine EBA-Vorlehre für Flüchtlinge an der Technischen Fachschule Bern.

Links und Literaturhinweise

Büro BASS (2016): Bestandesaufnahme zur Bildungsbeteiligung von spät eingereisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bern.

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