Ausgabe 02 | 2016

Fokus "Digitale Identität"

Berufliche Eingliederung 2.0

Digitalisierung als strategisches Ziel

Das Amt für Arbeit des Kantons Genf hat 2015 eine Strategie entwickelt, um seine Massnahmen der digitalen Revolution anzupassen. Die Projektverantwortlichen Catherine Santoru und Caroll Singarella berichten über die digitale Neuausrichtung.

Interview: Christine Bitz, PANORAMA-Redaktorin

Catherine Santoru ist Kommunikationsverantwortliche und Caroll Singarella ist Leiterin des Dienstes für Eingliederungsmassnahmen des Amts für Arbeit des Kantons Genf. (Bild: zvg)

Catherine Santoru ist Kommunikationsverantwortliche und Caroll Singarella ist Leiterin des Dienstes für Eingliederungsmassnahmen des Amts für Arbeit des Kantons Genf. (Bild: zvg)

PANORAMA: Welche Ziele verfolgt das Amt für Arbeit mit der Digitalisierungsstrategie? Catherine Santoru: Das Hauptziel ist, unsere Eingliederungsmassnahmen dem Arbeitsmarkt und der Stellensuche im Web 2.0, das heisst auf interaktiven Onlineplattformen, anzupassen. Um die Wiedereingliederungschancen der Stellensuchenden zu verbessern, muss das Amt für Arbeit sie bei der Stellensuche in der heutigen digitalen Welt begleiten können. Während einige Bewerberinnen und Bewerber bereits gut über die technologischen Möglichkeiten Bescheid wissen, sind sich andere nicht bewusst, wie wichtig eine gut verwaltete berufliche Internetpräsenz ist, sei das bei LinkedIn, auf Internetstellenbörsen oder in Form von Onlinelebensläufen. Neben dieser Neuausrichtung auf die digitale Welt bauen wir auch unsere eigene Kommunikation über diese Kanäle aus und arbeiten am Image unseres Amts. Langfristig sollen alle Mitarbeitenden des Amts für Arbeit in die Strategie einbezogen werden. Wir streben ein umfassendes und einheitliches Vorgehen an.

Wie ist die neue digitale Kultur organisiert?
Caroll Singarella: Der erste Schritt beginnt bei den Personal- und HR-Beratern. Damit unser Projekt mit den Stellensuchenden und Arbeitgebern umgesetzt werden kann, müssen die Beraterinnen und Berater zuerst selber Erfahrungen mit einer beruflichen Onlinepräsenz sammeln und die Zusammenhänge der Rekrutierung 2.0 verstehen. Alle unsere 150 Beratungsfachleute haben ein halbtägiges Sensibilisierungsmodul zu den Trends bei der Internetstellensuche und zum Thema Onlinereputation absolviert. Die «HR Digital Key User» haben zudem einen eintägigen, vor allem auf LinkedIn ausgerichteten Kurs besucht. Eine weitere Schulung zur Nutzung dieses beruflichen sozialen Netzwerks ist für 2016 geplant. Langfristig sollen alle Mitarbeitenden die Möglichkeit erhalten, ihre berufliche Sichtbarkeit im Internet zu verbessern. Wir wollen, dass das Personal des Amts für Arbeit im Netz präsent ist.

Was sind «HR Digital Key User»?
Catherine Santoru: Will man eine Veränderung – gleich welcher Art – in Gang bringen, muss man Mitarbeitende identifizieren, die bereit und fähig sind, den Wandel voranzutreiben und für das gewünschte Ziel einzustehen. Im Amt für Arbeit ist es ein elfköpfiges Team, das zur Entwicklung und Umsetzung der Digitalisierungsstrategie vor allem in Bezug auf die Personal- und HR-Berater beiträgt. Diese «HR Digital Key User» bringen die Bedürfnisse und Problemstellungen aus der Praxis ein und vertreten die Entscheidungen der Gruppe und der Direktion gegenüber ihren Arbeitskollegen. Sie sind auch an der Einführung von neuen digitalen Tools oder Systemen beteiligt, die in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen.
Caroll Singarella: Die «HR Digital Key User» fungieren gewissermassen als Botschafter bei ihren Kolleginnen und Kollegen. Dafür arbeitet jedes Teammitglied unter anderem an der Optimierung seines LinkedIn-Profils anhand eines Leitbilds, das wir gerade entwickeln. Es ist wichtig, dass wir gegenüber den Stellensuchenden und den Arbeitgebern kohärent und einheitlich auftreten. Im August 2014 hatten etwa 25 Prozent der Beraterinnen und Berater ein LinkedIn-Profil. Im Februar 2015 waren es bereits 50 Prozent und heute sind es sogar 60 Prozent. Nun geht es darum, in diese Richtung weiterzuarbeiten und vor allem an der Qualität der Onlineprofile zu feilen.

Wie erfolgt die Sensibilisierung der Stellensuchenden?
Caroll Singarella: Beim ersten Gespräch analysiert der Personalberater die Situation der versicherten Person. Wir haben diese Analyse um einen Schritt erweitert: Der Stellensuchende wird gegoogelt und seine Internetpräsenz ausgewertet, um sich ein Bild von seiner Onlinereputation zu machen und zu schauen, welche Inhalte über seine Person bei der Stellensuche förderlich oder hinderlich sein könnten, ob die im Netz gefundenen Angaben mit dem Lebenslauf übereinstimmen usw. So können die Personalberatenden die Stellensuchenden dabei unterstützen, sich möglicher Fallstricke bewusst zu werden, und sie können nötige Anpassungen und Weiterbildungen vorschlagen.

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