Ausgabe 05 | 2014

Fokus "Kompetenzen"

Editorial

Im Bildungswesen scheint sich Reformverdrossenheit breitzumachen. Insbesondere die Volksschule ist mit der Debatte um das HarmoS-Konkordat und den Lehrplan 21 in turbulente Fahrwasser geraten, nicht nur aus pädagogischen, auch aus bildungs-, staats- und parteipolitischen Gründen.

Von Nick Manouk, Chefredaktor

Die beiden Projekte hätten zur längst notwendigen Vereinheitlichung der kantonalen Schulsysteme führen sollen, die sich an nationalen Bildungszielen und den dort definierten Grundkompetenzen ausrichten. Damit sich etwa Lehrbetriebe nicht mehr mit 21 verschiedenen Methoden der Notenvergabe auseinandersetzen müssen und es für sie nachvollziehbar ist, mit welchem Können sie bei den Schulabgängern rechnen dürfen. Doch der politisch geschürte Widerstand von Föderalisten, Traditionalisten und Fächer-Lobbys droht das Reformvorhaben zu Fall zu bringen. So werden sich die Unternehmen mit schulischen Anforderungsprofilen behelfen müssen, die voraussichtlich in diesem Herbst nach dreijähriger Vorarbeit vorliegen werden. Das neue Reizwort im Bildungsstreit heisst Kompetenzorientierung. Statt nur Wissen zu büffeln, werden Kompetenzziele gesetzt – für die einen ein längst fälliger Paradigmenwechsel, für die anderen ein verheerendes Verschwinden von Lerninhalten. Was Kompetenzen genau sind, ist aber selbst in Fachkreisen umstritten. Während in der Deutschschweiz noch gerungen wird, hat die Westschweiz den «Plan d’étude romand» (PER) bereits eingeführt. Dort lässt sich z. B. nachlesen, wie ein kompetenzorientierter Berufswahlunterricht aussehen könnte. Im Fokus dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Ausprägungen des Begriffs Kompetenz in Berufsbildung, Berufsberatung und Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft legt den Akzent auf die Anwendung in der Praxis, auf die Orientierung an sogenannten Handlungskompetenzen. Diese haben sich in der Berufsbildung durchgesetzt dank dem wachsenden Verständnis für kompetenzorientiertes Unterrichten an den Berufsfachschulen. Grundkompetenzen sollen aber auch Erwachsene beherrschen – denn ohne Basiskenntnisse in Lesen und Schreiben ist keine arbeitsmarktliche Teilhabe möglich.

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