Ausgabe 02 | 2014

Fokus "Höhere Berufsbildung"

Spezialisierung auf Tertiärstufe

Die höhere Berufsbildung – eine Einführung.

Von Pierre-Yves Puippe, PANORAMA-Redaktor

(Bild: Fotolia/lightpoet)

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Die höhere Berufsbildung (HBB) geniesst in der Schweiz ein hohes Ansehen. Die auf der Tertiärstufe B angesiedelten Bildungsgänge bereiten Studierende auf Führungsfunktionen in kleinen oder mittleren Unternehmen vor oder bieten Berufsleuten die Möglichkeit einer Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet. Die HBB leistet auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene einen wichtigen Beitrag zu einer konkurrenzfähigen Wirtschaft. Die Angebote der HBB sind die einzigen Bildungsgänge der Tertiärstufe, die (abgesehen von Sur-Dossier-Aufnahmen) ohne Maturität zugänglich sind. Dementsprechend gross ist die Heterogenität der Ausbildungsgänge und der Teilnehmenden: 2011/2012 absolvierten 23'626 Studierende einen Bildungsgang der HBB, 16'483 Personen bereiteten sich auf eine Berufsprüfung und 3794 Personen auf eine höhere Fachprüfung vor. 12'791 Personen besuchten ein Angebot der HBB, das nicht in den Geltungsbereich des Berufsbildungsgesetzes fällt. 2013 hat das SBFI ein Strategieprojekt lanciert, das die Weiterentwicklung und Stärkung der HBB zum Ziel hat. Im Vordergrund stehen Fragen rund um die Positionierung, die Finanzierung und die Anerkennung dieser Bildungsgänge. Aufgrund der Internationalisierung des Bildungssystems und der Mobilität der Arbeitskräfte kommt die HBB nicht um eine klare Positionierung innerhalb des Bildungssystems herum: Die Ausbildungen müssen einerseits ein klares Profil aufweisen, um sich von der Tertiärstufe A abzugrenzen, andererseits müssen die Abschlüsse der höheren Berufsbildung international vergleichbar sein, denn ausserhalb des deutschsprachigen Raums sind solche Studiengänge gänzlich unbekannt. Damit die Inhaber von Abschlüssen der HBB auf dem internationalen Arbeitsmarkt nicht benachteiligt werden, fordern Politiker in Anlehnung an die akademischen Abschlüsse die Einführung von Titelbezeichnungen wie etwa «Professional Bachelor/Master». Das SBFI sieht die Lösung allerdings eher in der Beibehaltung der bisherigen Titel und in der Ausstellung von «Diploma Supplements» in englischer Sprache. Diese sollen auf dem «Nationalen Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung» (NQR-CH-BB) basieren und sowohl das Tertiärniveau als auch die Praxisorientierung international deutlicher zum Ausdruck bringen. Ein weiterer heikler Punkt ist die Finanzierung. Die EDK hat 2012 die öffentliche Finanzierung der höheren Fachschulen einheitlich geregelt. Die damit angestrebte Freizügigkeit wird mit dem Studienjahr 2015/2016 wirksam. Hingegen fehlen bei den Vorbereitungskursen zu den eidg. Prüfungen solche einheitlichen Finanzierungsstandards, da sie über keine Reglementierung durch das SBFI verfügen. Sie unterliegen bezüglich Qualität und Kosten den Regeln des freien Marktes: Jeder Teilnehmer entscheidet selber, welcher Kurs ihn am besten auf die Prüfung vorbereitet. Wie können die Angebote finanziert werden, ohne in diese Mechanismen einzugreifen? Das Strategieprojekt des SBFI möchte die Kosten durch direkte Zuschüsse des Bundes an die Teilnehmenden abgelten. Die Diskussionen drehen sich noch um Fragen wie die Höhe der Beiträge, den Auszahlungszeitpunkt und den Übergang der Finanzierung von den Kantonen zum Bund. Die «Subjektfinanzierung via Bund» soll mit Wirkung auf die BFI-Periode 2017–2020 umgesetzt werden.

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