Ausgabe 02 | 2014

GLOSSE

Berufe mit Zukunft

Kontingenteur/in EFZ

Das Schweizer Volk hat am vergangenen 9. Februar entschieden: Künftig können sich Personen aus der EU nicht mehr einfach in der Schweiz niederlassen, um hier zu arbeiten. Wie zu Zeiten vor der Personenfreizügigkeit gelten wieder Kontingente für Arbeitskräfte aus der EU. Diese haben sich laut der angenommenen Initiative am «gesamtwirtschaftlichen Interesse» der Schweiz auszurichten.

Von Peter Kraft

(Illustration: Andrea Lüthi)

(Illustration: Andrea Lüthi)

Nur: Wie lässt sich das «gesamtwirtschaftliche Interesse» definieren? Sind die Interessen der Bauern oder jene der Bauunternehmer höher zu gewichten? Wenn die Hightechbranche einen hohen Bedarf an Arbeitskräften nachweisen kann und grosse Kontingente erhält: Müssen dann andere Wirtschaftszweige Einbussen in Kauf nehmen? Und lässt sich das «gesamtwirtschaftliche Interesse» in Zeiten der Globalisierung überhaupt mit Kontingenten abbilden? Solchen Fragen widmen sich jetzt Kontingenteure und Kontingenteurinnen EFZ. Diese auf Initiative des Volkswirtschaftsdepartements im Eilverfahren geschaffene berufliche Grundbildung soll Experten hervorbringen, die wirtschaftliche Interessen und Volkswillen unter einen Hut bekommen. Bei der Festlegung der Kontingente für die einzelnen Branchen berücksichtigen sie volkswirtschaftliche, raumplanerische, verkehrspolitische und soziologische Aspekte. Laut einem dem Bildungsplan beiliegenden Fünfjahresplan sollen bei der Kontingentierung Unternehmen bevorzugt werden, die einen hohen Bedarf an ausländischen Arbeitskräften aufweisen, ihre Büros in verdichteter Architektur unterbringen, abseits von viel befahrenen Zugstrecken wirtschaften und keinerlei familienfreundliche Strukturen anbieten wie zum Beispiel Teilzeitarbeit. Damit sollen die Kontingenteure/-innen Grünflächen erhalten, Züge leeren und den Familiennachwuchs unattraktiv halten.

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