Ausgabe 01 | 2014

Fokus "Arbeitsmarktpolitik"

Editorial

Die Diskussionen über Vor- und Nachteile der Personenfreizügigkeit haben eines klar gezeigt: Die aktuelle Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist bemerkenswert gut! Eine hohe Beschäftigungsquote, tiefe Arbeitslosigkeit, anspruchsvolle Jobs, hohe Löhne, solide Sozialversicherungen – all dies lässt die Schweiz als Eldorado erscheinen.

Von Nick Manouk, Chefredaktor

Als zentraler Erfolgsfaktor gilt die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, die den Unternehmen erhebliche Spielräume eröffnet, um kurzfristig auf konjunkturelle oder strukturelle Veränderungen zu reagieren. Der Gesetzgeber agiert traditionell sehr «business friendly», wie etwa bei den Kündigungsmodalitäten, und er überlässt die Festlegung der Löhne dezentral den Sozialpartnern. Zudem profitieren die hiesigen Unternehmen von funktionierenden Strukturen in Politik und Gesellschaft, vom starken Ausbildungssystem, von Geldwertstabilität, ausgeglichenem Haushalt und tiefen Steuern. Doch es gibt die Kehrseiten der brummenden, vielleicht auch überdimensionierten Wirtschaft. Umweltzerstörung, Fachkräftemangel, Immigration, Pendlerstress und lange Arbeitszeiten sind die Folge. Immer mehr Menschen halten mit den Anforderungen der Arbeitswelt nicht mehr mit, werden krank und arbeitslos, wenden sich an ALV, IV und Sozialhilfe. Soll die Politik hier stärker eingreifen, um Rigiditäten des Arbeitsmarktes und andere negative Nebenerscheinungen auszugleichen? Oder wird es der freie Markt schon irgendwie richten? Am 9. Februar hat das Volk seine eigene Antwort gegeben und dem offenen europäischen Arbeitsmarkt eine Absage erteilt. «Arbeitsmarktpolitik» ist das Thema des Fokus dieser Ausgabe. Dabei mussten wir uns auf einige wenige Kernfragen beschränken: Während die Behörden bestrebt sind, Stellensuchende mithilfe von Integrationsprogrammen oder Fachkräfteinitiativen in den Arbeitsmarkt einzugliedern, suchen Wirtschaftsverbände und Unternehmen mittels Ausbildungsbestimmungen, Marketingkampagnen und möglichst offenen Grenzen Einfluss zu nehmen auf Berufswahl, Qualifikationen und Herkunft ihrer zukünftigen Mitarbeitenden.

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