Ausgabe 02 | 2012

BERUFSBILDUNG

Laufbahnentscheidungen

Wo Lernende Fachleute Gesundheit ihre Zukunft sehen

Nur wenige der in Ausbildung befindlichen Fachleute Gesundheit planen, längere Zeit als «FaGe» zu arbeiten. Für viele ist die Ausbildung eine Station auf dem Weg zu einer höheren Ausbildung. Die Karriereabsichten unterscheiden sich je nach Versorgungsbereich deutlich.

Von Ines Trede. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) in Zollikofen.

Über 70% der FaGe-Lernenden beabsichtigen, dem Gesundheitswesen beruflich treu zu bleiben. Dies zeigt eine breit angelegte Befragung von Lernenden im dritten Lehrjahr. Sollten sich zudem die knapp 15%, die zum Befragungszeitpunkt noch unentschlossen waren, auch für das Gesundheitswesen entscheiden, würden bis zu 87% im Bereich ihrer beruflichen Erstausbildung bleiben.

Nur wenige der Lernenden hingegen planen, längere Zeit als FaGe zu arbeiten. Direkt nach dem Abschluss will ein knappes Drittel in den Beruf einsteigen, zwei Jahre später sehen sich nur noch gut 14% als praktisch tätige FaGe (blaue Säule in der Grafik). Dafür steigt der Anteil derer, die eine weitere Ausbildung im Gesundheitswesen anpacken wollen, von 40,1% auf 57,6% (gelbe und orange Säulen).

Die Karriereabsichten unterscheiden sich nach Versorgungsbereich deutlich. Von den Lernenden, die ihre Ausbildung im Akutbereich machen, wollen von Anfang an weniger als ein Viertel als FaFGe arbeiten, zwei Jahre später nur noch 7%. Auf der anderen Seite des Spektrums liegen die Lernenden in der Spitex. 43% wollen nach dem Abschluss in den Beruf einsteigen, 20% stellen sich vor, auch zwei Jahre später noch als FaGe zu arbeiten. Alter und Image wirken auf Wahl Die Karriereabsichten der Lernenden werden von diesen Faktoren beeinflusst:

- Alter: Das Durchschnittsalter der Lernenden beträgt knapp 20 Jahre. Ist jemand über 20, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie als FaGe arbeiten will und keine Tertiärausbildung oder Berufsmaturität anstrebt.
- Ausbildungsmotiv: 40% betrachten die FaGe-Ausbildung als «absoluten Wunschberuf », für 30% ist sie ein Sprungbrett in einen anderen Beruf. Für die restlichen Jugendlichen ist die Ausbildung ein Beruf neben anderen oder gar zweite Wahl. Dient die Ausbildung als Sprungbrett, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein branchenfremder Beruf, ein anderer Gesundheitsberuf oder die Berufsmaturität angestrebt wird.
- Zufriedenheit: Fühlen sich die Lernenden im Lehrbetrieb zufrieden, wollen sie eher in der Pflege bleiben.
- Image des Berufs: Die Jugendlichen befürchten, dass der Beruf der Pflegefachperson relativ schlecht mit einer guten Work-Life-Balance vereinbar ist. Dies begünstigt die Absicht, die Branche zu wechseln.

Diese Absichten der Lernenden lassen sich zum Qualifikationsbedarf eines Versorgungsbereichs oder einer Region in Bezug setzen. Sollten sich Diskrepanzen auftun, können die Verantwortlichen versuchen, auf die Faktoren einzuwirken, die die Karriereentscheide der Jugendlichen beeinflussen. Beispielsweise könnte versucht werden, die Ausbildungszufriedenheit zu verbessern und die Berufsvorstellungen dort zu korrigieren, wo sie nicht der Realität entsprechen.

Links und Literaturhinweise

Untersuchung der Karriereabsichten von FaGe

Kasten

Forschungsprojekt

Die Untersuchung der Karriereabsichten von FaGe ist ein Projekt des EHB und der nationalen OdASanté. Sie soll Steuerungswissen für die Ausbildungsplanung liefern. Die Resultate der ersten Etappe beruhen auf einer Befragung der FaGe im 3. Lehrjahr im Jahr 2010/11. Inzwischen wurde eine zweite Befragung durchgeführt, in der erhoben wurde, welche Karriereschritte die Jugendlichen tatsächlich gemacht haben. Die Ergebnisse werden Ende 2012 publiziert.

Kommentare
 
 
 
imgCaptcha
 

Nächste Ausgabe

PANORAMA Nr. 5 | 2020 mit dem Fokus «Agilität» erscheint am 23. Oktober.