Ausgabe 02 | 2012

Fokus "Gesundheitsberufe"

Die neuen Ausbildungen in der Praxis

Von der Schwierigkeit, den richtigen Kompetenzenmix zu finden

Das Berner Universitätsspital Insel sucht in einem Grossprojekt die richtige Teamzusammensetzung für jede Station herauszufinden. Die Aufgabe ist anspruchsvoll – wegen der neuen Berufsprofile und vielen weiteren Faktoren.

Von Henriette Schmid und Slavka Radnic. Henriette Schmid ist Bereichsleiterin Aus- und Weiterbildung in der Direktion Pflege/MTT (medizinisch, technisch, therapeutisch) des Inselspitals in Bern, Slavka Radnic ist Bereichsleiterin Prozesse.

Neue Pflegeausbildungen: Eine Herausforderung für die Anbieter von Praktikumsplätzen

Neue Pflegeausbildungen: Eine Herausforderung für die Anbieter von Praktikumsplätzen

Das Inselspital ist der grösste Anbieter von Praktikumsplätzen für Berufsausbildungen in der Pflege im Kanton Bern und weit darüber hinaus. 2009 wurde im Auftrag der Spitalleitung mit dem Grossprojekt «Skill/Grade-Mix Pflege» begonnen mit dem Ziel, die Teamzusammensetzung der Pflegemitarbeitenden für jede Klinik und jede Station einzeln zu prüfen. Im Vordergrund stand zunächst die Frage, wie die neuen Pflegeberufsabschlüsse in der Praxis eingesetzt werden können. Die berufliche Perspektive der neuen Berufsprofile muss dem Bedarf der Kliniken und Institute des Universitätsspitals gemäss definiert werden. So wurde beispielsweise die Ausbildung zur Fachfrau, zum Fachmann Gesundheit (FaGe) ursprünglich für Langzeitinstitutionen konzipiert. Um sie der Arbeit in einem Universitätsspital anzupassen, brauchte es Flexibilität in der Umsetzung des Curriculums. Die Umformung der Teams kann sich aber nicht nur auf die neuen Ausbildungen konzentrieren. Die bisherigen, oft langjährigen Teammitglieder werden ebenfalls in die Betrachtungen eingeschlossen. Das Projekt ist immer noch im Gang. Die Analysen im stationären Bereich dauern voraussichtlich noch bis Ende 2012.

Komplexer als angenommen

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass das Vorhaben weitaus komplexer ist als zunächst angenommen. Weitere Fragen müssen beachtet werden, so die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen, die internen Prozesse auf der Station und die damit verbundenen Schnittstellen, dann auch die Patientenorientierung oder strukturelle Gegebenheiten wie Stationsgrösse oder Patientenfluktuation. Alle diese Fragen wurden Gegenstand einer «Stationsanalyse». Deren Resultate wurden in Berichten festgehalten und mit den verantwortlichen Entscheidungsträgern und den Pflegeteams der Kliniken reflektiert und besprochen, und weiterführende Massnahmen wurden festgelegt.

Die Stationsanalysen zeigten, dass die Arbeitsfelder für die neuen Ausbildungen und Abschlüsse im Inselspital vorhanden sind. So konnten bereits zahlreiche FaGe-Stellen mit Erfolg auf den Stationen geschaffen werden. Die Entwicklung neuer Modelle der Zusammenarbeit innerhalb des Berufsfeldes Pflege sowie im gesamten Team mit allen anderen Berufsgruppen ist in vollem Gang. Es ist der erklärte Anspruch des Inselspitals, in den nächsten Monaten und Jahren diese Modelle umzusetzen und damit für alle Fachpersonen eine langfristige berufliche Perspektive zu schaffen.

Aufwendige Einführung

Die neuen Pflegeausbildungen sind generalistisch ausgerichtet. Dies führt in der Praxis, insbesondere für Stationen mit hoher Spezialisierung, wie sie im Universitätsspital üblich sind, zu einem Mehraufwand bei der Einführung neuer Mitarbeiter, da die Spezialisierung des jeweiligen Arbeitsfeldes nun durch die Praxis vermittelt werden muss. Dafür sind fundierte, standardisierte Einführungsprogramme Bedingung.

Dass die gleichen Abschlüsse auf unterschiedlichen Wegen erlangt werden können, ist eine weitere Herausforderung. Es gibt Ausbildungsgänge mit Vollzeit-, Teilzeit- und berufsbegleitenden Curricula, verkürzte Curricula für Lernende/ Studierende mit einschlägiger Vorbildung, Sondercurricula für Erwachsene mit Versorgerpflichten usw. Die Nachteile dieser Angebotspalette liegen auf der Hand: Die Betriebe haben zahllose unterschiedliche Abläufe gleichzeitig und nebeneinander zu bewältigen und leiden unter dem enormen administrativen Aufwand. Die Übersicht zu wahren, alle Vorschriften einzuhalten und die Auszubildenden in jedem Fall kompetenzgerecht einzusetzen kommt der Quadratur des Kreises gleich.

Links und Literaturhinweise

Knoth S., von Allmen U., Radnic S., Riggenbach U., Exzellenzmanagement, Huber Verlag, Bern, 2012.

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