Ausgabe 06 | 2012

ARBEITSMARKT

Sensibilisierungskampagne

Unternehmen sind auch Kunden

Die Unternehmen nutzen bei der Personalrekrutierung die Dienstleistungen der RAV zu wenig. Nun hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Informationskampagne gestartet. Valentin Lagger, Kommunikationsbeauftragter des Seco, gibt Auskunft.

Interview: Philippe Frossard

Valentin Lagger: «Auch Unternehmen haben gesetzlichen Anspruch auf Leistungen der RAV.»

Valentin Lagger: «Auch Unternehmen haben gesetzlichen Anspruch auf Leistungen der RAV.»

PANORAMA: Unter dem Titel «Machen Sie den RAV-Check» hat das Seco im Oktober 2012 eine Sensibilisierungskampagne gestartet. Können Sie die wichtigsten Punkte dazu erläutern?
Valentin Lagger: Das Seco hat zur Lancierung der Kampagne eine Broschüre mit dem Titel «Alles zur Stelle» herausgegeben. Wir wenden uns damit an die Arbeitgebenden, um diesen unsere Leistungen und unser Engagement näherzubringen. Die Broschüre wurde an 85 000 von den kantonalen Arbeitsmarktbehörden ausgewählte Unternehmen verteilt. Weiter wurde das Portal www.rav-check.ch eingerichtet, das sich speziell an Unternehmen richtet. Broschüre und Portal enthalten wertvolle Informationen über die Leistungen der RAV zugunsten der Unternehmen. Diese können auf dem Webportal freie Stellen melden und über die anonymisierte Suchmaschine nach geeigneten Kandidaten suchen, die in den RAV eingetragen sind. Auf diese Weise arbeiten sie direkt mit HR-Fachleuten zusammen, was Zeit spart und administrativen Aufwand verringert.

Warum wurde die Kampagne ins Leben gerufen?
Fast die Hälfte der Unternehmensleiter und HR-Verantwortlichen kennen das Dienstleistungsangebot der RAV nicht. Das hat eine im Frühjahr 2011 durchgeführte Umfrage ergeben, bei der 4633 Unternehmen befragt wurden. Andererseits sind 88% der Arbeitgebenden, die mit den RAV zusammenarbeiten, mit deren Leistungen zufrieden. Das noch brachliegende Vermittlungspotenzial ist demnach gross.

Zeigt die Kampagne, dass die RAV zwei Kundengruppen haben: die Stellensuchenden und die Unternehmen?
Ganz genau. Die Unternehmen bezahlen die Hälfte der Prämien an die Arbeitslosenkassen. Sie tragen folglich zu einem grossen Teil bei, dass Erwerbslose eine finanzielle Entschädigung erhalten und von Eingliederungsmassnahmen profitieren können. Weiter sieht das Gesetz vor, dass Unternehmen Anrecht auf Leistungen durch die RAV haben, z. B. bei der Vermittlung. Von einer guten Zusammenarbeit zwischen den RAV und den Unternehmen profitieren die Erwerbslosen, da sie dadurch einfacher eine neue Stelle finden. Deshalb ist die sorgfältige Vorselektion der vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten bei einer Vakanz eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Unternehmen.

Heisst das, dass nur die Besten davon profitieren?
Überhaupt nicht. Unsere Kampagne zielt auch darauf ab, über die verschiedenen Arbeitsmarktmassnahmen (AMM) zu informieren: Praktika, Einarbeitungszuschüsse, Ausbildungszuschüsse oder die Vermittlung von befristeten Anstellungen und Zwischenverdiensten. Wenn AMM gewährt werden können, sollen sie auch eingesetzt werden. Gelingt eine Stellenvermittlung dank dieser Massnahmen, ist das ein Erfolg sowohl für den Kandidaten wie auch für die Arbeitslosenversicherung. Und dann steht in der Bezeichnung «RAV» der Buchstabe «V» für «Vermittlung». Davon sollen insbesondere Erwerbslose – auch wenig qualifizierte – profitieren. Ihnen fehlen oft die Mittel, um effizient nach einer Stelle zu suchen.

Woran erkennen Sie, ob die Sensibilisierungskampagne erfolgreich ist?
Wenn die Unternehmen sich daran erinnern, was das Label «Machen Sie den RAVCheck » bedeutet. Das lässt sich feststellen, indem der Verlauf der Kontakte zwischen den Unternehmen und den RAV überprüft wird. Auch daran, ob die Zahl der gemeldeten vakanten und wiederbesetzten Stellen steigt. Weiter evaluieren wir im nächsten Jahr die Situation anhand einer Umfrage bei den Unternehmen, um vor Ablauf der Kampagne im Jahre 2015 gezielte Korrekturen anbringen zu können. Der grösste Erfolg ist allerdings darin begründet, dass die kantonalen Arbeitsmarktbehörden von Beginn weg am Aufbau und an der Umsetzung der Kampagne beteiligt waren.

Links und Literaturhinweise

www.rav-check.ch/

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