Ausgabe 06 | 2012

Fokus "Internationale Zusammenarbeit"

Berufsbildung in Burkina Faso

Das Gewerbe als treibende Kraft

Im Osten Burkina Fasos unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) den lokalen Handwerkerverband dabei, die Berufslehren zu modernisieren.

Von Ambroise Tapsoba und Lea Zanola. Ambroise Tapsoba ist Programmbeauftragter Berufsbildung im Schweizer Kooperationsbüro in Burkina Faso, Lea Zanola ist Mitarbeiterin des Focal Point Arbeit und Einkommen der DEZA.

Im Osten von Burkina Faso: Angehende Metallbauer im betrieblichen Teil ihrer Ausbildung.

Im Osten von Burkina Faso: Angehende Metallbauer im betrieblichen Teil ihrer Ausbildung.

Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. 70 Prozent der stetig wachsenden Bevölkerung können weder lesen noch schreiben, denn die Einschulungsraten sind niedrig und fast die Hälfte der Kinder verlassen die Schule, ohne die Primarschule abgeschlossen zu haben. Das Bildungssystem ist eines der schwächsten weltweit und schafft es nicht, die Abgänger auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen vorzubereiten. Schätzungsweise 400 000 junge Leute suchen jährlich Arbeit, ohne eine solide Schulbildung, geschweige denn eine Berufsausbildung durchlaufen zu haben. Sie finden Arbeit bei kleinen Handwerksbetrieben, meist informell, oft über viele Jahre ohne Lohn, ohne gezielte Weiterbildung und ohne Aussicht auf einen formellen Nachweis der praktisch erworbenen Kompetenzen.

Hier setzt die DEZA an. Im Osten Burkina Fasos unterstützt sie den Handwerkerverband «Union des Artisans du Gulmu» (UAG), sich zu organisieren und wichtige Funktionen wahrzunehmen. Der 3000 Handwerker umfassende Verband ist momentan daran, die handwerklichen Lehren zu modernisieren und nach Berufsfeldern zu strukturieren. 200 Jugendliche jährlich absolvieren nun eine zwei- bis dreijährige Lehre, beispielsweise als Mechaniker, Metallbauerin, Schreiner, Coiffeuse, Schneider, Weberin oder in der Lebensmittelverarbeitung.

Durchaus nach Schweizer Vorbild wird der Verband eng in die Ausarbeitung der Lehrpläne und -programme, die staatlich anerkannte Zertifizierung der Abschlüsse sowie die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Ausbildung mit einbezogen. Auch die Struktur der Lehre orientiert sich am Schweizer dualen Modell und umfasst neben der Praxis (vier Tage) nun auch theoretischen Unterricht. Um hierfür nicht neue Bildungszentren bauen zu müssen, werden grössere Betriebe beim Ausbau von Räumlichkeiten und mit Unterrichtsmaterial unterstützt. Um die pädagogische Qualität sicherzustellen und das lokale Gewerbe zu stärken, ist die Weiterbildung der Lehrmeister und Ausbildner ein fester Programmbestandteil. Sowohl die Berufsausbildung als auch die Weiterbildung erfolgt auf Französisch und in der Lokalsprache und wird mit Alphabetisierungs- Unterricht ergänzt, weil die Lehrkräfte selbst oft weder lesen noch schreiben können.

Ausdehnung aufs ganze Land

Die Arbeit der DEZA und der UAG beginnt Früchte zu tragen: Fünf weitere Regionen Burkina Fasos haben bereits Berufsausbildungen dieses Typs eingeführt, wodurch weitere 600 Jugendliche pro Jahr ausgebildet werden können. Eine Verankerung auf nationaler Ebene ist vorgesehen. Erfolgsfaktoren sind sicher der Einbezug des Gewerbes zur Sicherung der Relevanz der Ausbildung, die staatlich anerkannte Zertifizierung und natürlich die Qualität der auf Praxis und Theorie basierenden Lehre. Eine Rolle spielt wohl auch, dass der Verband die Lehrabgänger bei der Arbeitssuche oder auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt. Schliesslich ist das DEZAProgramm wohl nicht zuletzt auch deshalb erfolgreich, weil die Eltern der Lehrlinge mit einbezogen werden. Nur wenn diese von der Wichtigkeit einer soliden Ausbildung ihrer Kinder überzeugt sind, hat dieses Modell eine Chance.

Links und Literaturhinweise

www.cooperation-suisse.admin.ch/burkinafaso

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