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Ausgabe 04/2021

Berufliche Grundbildung

Lehrstellenbesetzung verläuft ähnlich wie in den Vorjahren

Zurzeit ist die Besetzung der Lehrstellen für den Sommer 2021 schweizweit im Gange. Insgesamt spiegeln die von der Task Force "Perspektive Berufslehre" eingeholten kantonalen Trendmeldungen eine stabile Lehrstellensituation. Eine gewisse Zurückhaltung bei der Besetzung von Lehrstellen zeigt sich in jenen Branchen, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Dazu gehören insbesondere der Hotel- und Gastronomiebereich sowie die Fitness- und Eventbranche. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung sei in den betroffenen Branchen bis im Sommer mit Aufholeffekten zu rechnen, so die Task Force.
Medienmitteilung

LehrstellenPuls: Zwei von drei Lehrstellen sind vergeben

Knapp die Hälfte der Lehrbetriebe führen keine Schnupperlehren und normalen Bewerbungsgespräche mehr durch. Und 69% der für August 2021 angebotenen Lehrstellen sind besetzt. Dies sind zwei zentrale Aussagen der jüngsten Erhebung (Januar 2021) von LehrstellenPuls. Die Erhebung zeigt auch, dass 87% der Lernenden trotz Corona der Arbeit im Betrieb normal nachgehen können; 11% erleiden Limitierungen. An der Befragung haben sich 2466 Lehrbetriebe unterschiedlicher Grösse aus allen Kantonen und Berufsfeldern beteiligt.

Beschleunigter Prozess bei der Berufsentwicklung

Im Rahmen der Initiative "Berufsbildung 2030" wurden im Projekt "Beschleunigung der Zusammenarbeit bei der Berufsentwicklung" konkrete Empfehlungen an die OdA formuliert, die sich mit der Notwendigkeit konfrontiert sehen, ihre Berufe rasch einer Revision zu unterziehen oder gar neue Berufe zu schaffen. Die Empfehlungen gelten sowohl für die berufliche Grundbildung (siehe Website des SBFI) als auch für die höhere Berufsbildung (siehe Leitfaden Seite 14-15). Damit ein beschleunigter Prozess erfolgreich verläuft, müssen gemäss SBFI gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sein. So müssen sich die involvierten Akteure auf eine verbindliche Zeitplanung einigen, die notwendigen Ressourcen bereitstellen und sich an die Vereinbarungen halten.

Reformen Verkauf 2022+, Kaufleute 2022 und Neuausrichtung Büroassistent/in EBA

Die vier Berufe Kauffrau/-mann EFZ, Büroassistent/in EBA, Detailhandelsfachfrau/-mann EFZ und Detailhandelsassistent/in EBA wurden einer umfassenden Reform unterzogen. Im Fokus stehen die konsequente Handlungskompetenzorientierung und eine gesamtheitliche Lernortkooperation. Um eine einheitliche und ressourcenschonende Umsetzung zu realisieren und gemeinsame Lösungen zu finden, haben die Verbundpartner im Sommer 2020 ein nationales Koordinationsgremium (NKG) eingesetzt. Die Umsetzungshilfen (Schullehrpläne, Organisationsmodelle für die Berufsfachschulen usw.) werden bis spätestens Juni 2021 in allen drei Landessprachen fertiggestellt (Überblick zu den Teilprojekten). Weiter erarbeitet eine Arbeitsgruppe Lösungsvorschläge für die Optionen zur obligatorischen Fremdsprache, wie sie im Rahmen der Anhörung des SBFI zur Bildungsverordnung Kauffrau/-mann EFZ beschrieben wurden.
Weitere Informationen: Kurznachrichten des NKG Nr. 1 und Nr. 2, Websites der Trägerschaften: BDS, SKKAB, IGKG Schweiz

Berufliche Grundbildung: Anhörungen

Die folgenden Verordnungen über die berufliche Grundbildung wurden zur Anhörung publiziert:

Das SBFI unterbreitet zudem den Entwurf der Verordnung über die Durchführung der Qualifikationsverfahren 2021 in den beruflichen Grundbildungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zur Stellungnahme.

Die entsprechenden Dokumente stehen auf der Website des SBFI zur Verfügung. Für neue Verordnungen, solche mit Titel- oder Fachrichtungsänderungen oder mit Änderungen der Lehrdauer sowie für Aufhebungen von Verordnungen erstellt das SDBB ein Infoblatt (INFObildung&beruf).

Verbundpartnerschaft erhält zusätzlichen Schub

Die Berufsbildung basiert auf der Kooperation der Verbundpartner. Um sie zu verbessern, haben die Teilnehmenden des nationalen Spitzentreffens der Berufsbildung ein Umsetzungskonzept zur Systematisierung der Governance in der Berufsbildung genehmigt. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Tripartite Berufsbildungskonferenz TBBK ein. "Wir haben die Grundlagen gelegt, um künftig noch enger zusammenzuarbeiten", kommentiert Rémy Hübschi, Leiter der Abteilung Berufs- und Weiterbildung im SBFI. In einem Interview der SBFI-News (1/2021) erklärt er die neue Gremienstruktur und was mit ihr erreicht werden soll.

Blended Learning: Projekt zu den Rahmenbedingungen

Mit der Digitalisierung eröffnen sich in der Berufsbildung neue Möglichkeiten zur Unterstützung, Vernetzung und Steuerung von Lernprozessen. Nun sollen diese innovativen Lernformen (Blended Learning) im Rahmen eines Projektes von SBBK und Arbeitgeberverbänden durch gemeinsam vereinbarte Rahmenbedingungen auf eine solide Basis gestellt werden. Das Projekt wurde am 3. Februar 2021 von der Tripartiten Berufsbildungskonferenz (TBBK) lanciert. Die Arbeitsgruppe nimmt im Frühjahr 2021 ihre Arbeit auf.

Online-Tagungen für Berufsbildungsfachleute

Die SGAB und das EHB führen am 21. Mai 2021 eine Online-Tagung "Berufsfelddidaktik in der Schweiz" durch. Referate aus der Praxis und der Wissenschaft sowie individuell wählbare Workshops eröffnen Einblicke zum Stand des Themas. An Lehrpersonen richtet sich eine sechstägige Begegnungswoche des hep Verlags (15. bis 20. März 2021). Das Programm bietet Gelegenheit, Publikationen des Verlags kennenzulernen und pädagogische Themen zu diskutieren.

ZH: Kursangebot für die Lernenden der Gastrobranche

Die Zürcher Branchenverbände der Hotellerie und Gastronomie haben gemeinsam mit dem Kanton Zürich ein Sofort-Programm für Lernende lanciert: Seit dem 22. Februar 2021 steht am Ausbildungszentrum Wädenswil unter dem Namen "Gastro Porto" ein breites Bildungsangebot zur Verfügung – Kurse und zusätzliche Trainings für alle 500 Gastro-Lernenden im letzten Lehrjahr. In Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Berufsschule Zürich wurde zudem eine virtuelle Werkstatt eingerichtet, in der Wissenslücken rund um die Prüfungen und zur Berufslehre generell geschlossen werden können. Die Kurse am Ausbildungszentrum Wädenswil sind für die Lernenden kostenlos. 80% der Kosten übernimmt der Bund, je 10% die beiden Zürcher Branchenverbände Gastro Zürich und Hotellerie Zürich.

ZH: Kanton übernimmt die Kosten für nachzuholende üK

Der Kanton Zürich beteiligt sich an den Kosten für jene überbetrieblichen Kurse (üK), die wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant durchgeführt werden konnten. 32 Institutionen, die durch das Nachholen der Kurse Mehrkosten erlitten, erhalten vom Kanton insgesamt rund 1 Million Franken. Gegenwärtig finden die üK in den meisten Berufen im Präsenzmodus statt. In einigen wenigen Berufen kommen hybride Unterrichtsformen (Mischung von Präsenz- und Online-Unterricht) zur Anwendung.
Medienmitteilung

Höhere Berufsbildung und Weiterbildung

Folgeprojekt zur Positionierung der höheren Fachschulen

Das SBFI hat ein Folgeprojekt zum Projekt "Positionierung HF" lanciert. Es ist in vier Teilprojekte gegliedert:

  • Einbettung und Schnittstellen der HF-Abschlüsse im Bildungssystem (mit Fokus auf die Profilierung innerhalb der Tertiärstufe)

  • Strukturelle Merkmale der HF-Landschaft (mit Fokus auf die Anbieterstruktur, Finanzierung und Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen)

  • Nationale Bekanntheit und Ansehen der HF-Abschlüsse sowie der Institutionen

  • Internationale Bekanntheit und Ansehen der HF-Abschlüsse sowie der Institutionen

Ein Bericht zum Projektstand sowie die Terminplanung für nachfolgende Meilensteine ist für Ende 2021 vorgesehen.

Sozialberufe HF: Rahmenlehrpläne in Konsultation

Vier Rahmenlehrpläne für die Bildungsgänge der höheren Fachschulen im Sozialbereich befinden sich seit dem 15. Februar 2021 in der öffentlichen Konsultation. Der geschützte Titel dipl. Kindererzieher/in HF wird umbenannt in dipl. Kindheitspädagoge/-pädagogin HF. Dipl. Sozialpädagogische/r Werkstattleiter/in HF soll neu dipl. Leiter/in Arbeitsagogik HF heissen. Dipl. Gemeindeanimator/in HF und dipl. Sozialpädagoge/-pädagogin HF bleiben unverändert. Die Trägerschaft bilden die Schweizerische Dachorganisation der Arbeitswelt Soziales (SavoirSocial) und die Schweizerische Plattform der Ausbildungen im Sozialbereich (SPAS). Die entsprechenden Rahmenlehrpläne stehen auf der Internetseite des SBFI zur Verfügung.

Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen: Vernehmlassung

Der Entwurf folgender Prüfungsordnung, ohne Titeländerung, wurde im Bundesblatt vom 9. Februar 2021 zur Vernehmlassung ausgeschrieben:

  • Kosmetiker/in (BP), Visagist/in (BP), Derma-Pigmentologe/-login (BP)*

* Der Entwurf der Änderung der Prüfungsordnung enthält folgenden Beschluss: "Der Schweizer Fachverband für Permanent Make Up (PMU) zieht sich als Träger dieser Prüfungsordnung zurück. Alle Bestimmungen in Bezug auf den Abschluss Derma-Pigmentologe/-login werden aufgehoben."

Wirtschaftskrise und KAE: Gelegenheit für die Weiterbildung nutzen

Aufgrund der Coronapandemie wurden im Rahmen der Kurzarbeitsentschädigung (KAE) von März bis November 2020 Leistungen im Umfang von etwa 293 Millionen Arbeitsstunden ausgerichtet, gegenüber 780'000 Arbeitsstunden im Jahr 2019. Das geht aus einem Artikel der Westschweizer Tageszeitung Le Temps hervor, die Zahlen stammen vom SECO. Mehrere der für den Artikel befragten Experten, so etwa Stefan C. Wolter oder Ständerat Charles Juillard, der im September 2020 eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht hatte, waren der Meinung, dass diese Zeit für die Weiterbildung hätte genutzt werden müssen. Der Artikel präsentiert überdies regionale Initiativen (Kompetenzenbilanz in Genf) und einige Brancheninitiativen (Aus- und Weiterbildungen in der Hotellerie und Gastronomie).

OECD lobt Qualitätssicherung durch eduQua

In einer neuen Publikation "Improving the Quality of Non-Formal Adult Learning" gibt die OECD Einblick in die Qualitätssicherung von Weiterbildungen in ausgewählten europäischen Ländern, darunter die Schweiz. Die Publikation zeigt Best-Practice-Beispiele und analysiert die Erfolgsfaktoren unterschiedlicher Ansätze der Qualitätssicherung. Aufgenommen wurde auch das Schweizer eduQua-Label, das die OECD-Experten als sehr erfolgreichen Ansatz und als "one of the best-known and long-standing certification frameworks in Europe" bezeichnen. In ihrer Analyse stellen sie drei Erfolgsfaktoren fest: die klare Zielsetzung, die Fokussierung auf Weiterbildungsanbieter (statt auf den ganzen Bildungsbereich) und die Trägerschaft durch den SVEB als nationale, alle Akteure vertretende Organisation.

Mittelschulen und Hochschulen

Fachtagung zu bilingualen Bildungsgängen

An vielen Mittelschulen ist es möglich, ein zweisprachiges Diplom zu erlangen. Die Umsetzung von bilingualem Unterricht sieht jedoch unterschiedlich aus. Movetia und das ZEM CES organisieren am 31. März 2021 eine Fachtagung. Diese bietet einen Überblick über die bilingualen Bildungsgänge. Der Schwerpunkt der Tagung liegt im Dialog zwischen den Akteuren, um gute Praxismodelle und Erfahrungen auszutauschen. Die Tagung richtet sich an Schulleitende und Lehrpersonen von Gymnasien und Fachmittelschulen mit bilingualen Angeboten und an weitere Interessierte im Mittelschulbereich.

GE: Alternative Mobilität für Studierende

Als Ersatz für die abgesagten Auslandsaufenthalte wurde für die Studierenden im Bachelorstudiengang International Relations am Global Studies Institute (GSI) der Universität Genf ein alternatives Mobilitätsprogramm geschaffen. Mit der Unterstützung von Forschenden des GSI wählen die Teilnehmenden in Teams ein Thema mit Bezug zu aktuellen globalen Herausforderungen und erarbeiten Lösungsvorschläge. Das Mobilitätsprogramm Altmob bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich mit ihrer künftigen Tätigkeit vertraut zu machen: eine Idee "pitchen", eine Pressekonferenz organisieren, ein Budget erstellen, Partnerschaften aufbauen oder ein Projekt in einem Text, einem Video oder an einer internationalen Konferenz vorstellen.
Weitere Informationen

TI: Master in Interaction Design

Der Master of Advanced Studies (MAS) Interaction Design an der Fachhochschule der italienischen Schweiz (SUPSI) wird neu als Master of Arts in Interaction Design weitergeführt. Im englischsprachigen Studiengang werden Themen wie User Experience (UX) und Interface Design, Service Design, nutzerorientierte Methoden sowie Web-Technologien vermittelt. Zusätzliche Kenntnisse der Soft-/Hardwareprogrammierung, der digitalen Fertigung und des Prototyping befähigen die Studierenden, Applikationen, Datenvisualisierungen und interaktive Installationen zu entwickeln. Absolventinnen und Absolventen arbeiten beispielsweise in Design-Agenturen und Start-up-Unternehmen. Grundvoraussetzung zur Zulassung ist ein Bachelor in Design (Grafik-, Industrie-, Medien-, Webdesign, Innenarchitektur) oder ein gleichwertiger Abschluss. Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen im Bereich Architektur, Ingenieurwesen, Geisteswissenschaften, Bildende Kunst oder Betriebsökonomie können mit der Auflage, 10-15 ECTS-Punkte nachzuholen, ebenfalls aufgenommen werden.

Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung

Lehrstellenselektion: Druck vermindern

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, das "Syndicat des enseignants romands" (SER), profunda suisse und der Kaufmännische Verband fordern in einer gemeinsamen Medienmitteilung die SBBK und TBBK dazu auf, den Selektionsdruck bei der Lehrstellensuche mit verschiedenen Massnahmen zu reduzieren. Der Entscheid, offene Lehrstellen früher auszuschreiben, sowie die Praxis des "Active Sourcing" der privaten Lehrstellenvermittler und Testanbieter würden den Berufswahlprozess, wie er mit der Einführung der sprachregionalen Lehrpläne verabschiedet wurde, untergraben. Die Vorverschiebung der Lehrstellenausschreibung auf April (bislang August) behindere wichtige Schritte in der Berufswahl. Er gefährde zudem die Chancengleichheit und erhöhe zu einem ungünstigen Zeitpunkt den Druck auf die Schüler/innen.
Medienmitteilung

Wie die Herkunft die Berufswahl bestimmt

Ob Jugendliche eine Berufslehre mit höheren oder tieferen schulischen Anforderungen wählen, hängt weniger von Leistungsmerkmalen ab als von Merkmalen der sozialen Herkunft. Wenn Jugendliche eine Lehre mit geringem berufsschulischen Anteil durchlaufen, wirkt sich das ungünstig auf die späteren Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen aus. Die Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss der Tertiärstufe zu erreichen, sinkt massiv. Auf individueller Ebene hindert dies viele Jugendliche daran, ihr Potenzial auszuschöpfen. Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene ist dieses unausgeschöpfte Begabungspotenzial dysfunktional. Dies sind Ergebnisse einer Studie, die im Online-Magazin Transfer 1/2021 vorgestellt wurde. Die Daten stammen aus der Studie TREE (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben).

PIF: Arbeitsinstrument für die Berufs- und Laufbahnberatung

Mit den PIF-Karten hat das Laufbahnzentrum Zürich ein neues Arbeitsinstrument für die Berufs- und Laufbahnberatung entwickelt. PIF steht für "Persönlichkeit, Interessen und Fähigkeiten". Es unterstützt Ratsuchende dabei, eine berufliche Identität zu entwickeln und (neuen) Sinn in ihrer Berufsbiografie zu finden. Die PIF-Karten eignen sich sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche ab der 9. Klasse. Hauptbestandteil des PIF-Sets sind 90 Aussagekarten, die Aussagen zu den Aspekten Persönlichkeit, Interessen und Fähigkeiten enthalten (entlang dem Holland-Modell). Das PIF-Set kann beim Laufbahnzentrum der Stadt Zürich bestellt werden.

Neuerungen auf berufsberatung.ch

Auf berufsberatung.ch ist es neu möglich, die offenen Lehrstellen nach Jahr und nach Sprache zu filtern. In der Desktop-Version des Portals wurden ausserdem Buttons hinzugefügt, die das Teilen von Inhalten in den Sozialen Netzwerken ermöglichen. Diese und weitere Änderungen sind detailliert in einem Infoblatt beschrieben. 2020 konnte auf berufsberatung.ch eine Zunahme der Besucher/innen von 9% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden. Für verschiedene Zielgruppen sind neue, kostenlose Flyer im Format A6 erschienen, die auf das Informationsangebot von berufsberatung.ch aufmerksam machen.

Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit wegen Corona massiv gestiegen

Corona vernichtet Arbeitsplätze. Dies zeigt etwa die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE), wonach die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamts (ILO) in der Schweiz im 4. Quartal von 2020 im Vergleich zu 2019 von 3,9% auf 4,9% gestiegen ist (EU: von 6,6% auf 7,5%). Auch das SECO meldet Verluste: So waren Ende Januar 2021 169'753 Arbeitslose bei den RAV eingeschrieben, 48'735 Personen mehr als im Vorjahresmonat (+40,3%). Die Arbeitslosenquote gemäss SECO stieg damit auf 3,7%. Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich im gleichen Rahmen (um 41% auf jetzt 17'766 Personen).

Zwischenverdienste erhöhen die Chancen bei der Stellensuche

Zwischenverdienste (ZV) sind Erwerbseinkommen, die Stellensuchende während eines Anspruchs auf Taggeld der Arbeitslosenversicherung (ALV) erzielen. Ist dieses Einkommen geringer als die zustehende Arbeitslosenentschädigung, leistet die ALV Kompensationszahlungen. Ziel dieser Kompensation ist es, Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu schaffen. Eine Studie zeigt nun, dass das für fast alle untersuchten Gruppen gelingt. Ein ZV erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine reguläre Stelle anzutreten, verkürzt die Dauer der Arbeitslosigkeit, führt zu stabileren Erwerbsverläufen und verbessert die Einkommenssituation der Betroffenen. Ausserdem bestätigte sich, dass sich ZV insbesondere in Krisenzeiten bewähren. Mehr als ein Drittel der Personen, die Taggelder der ALV beziehen, nutzen einen ZV in den ersten zwölf Monaten der Arbeitslosigkeit.

Studie zur Akzeptanz der Erwerbstätigkeit von Frauen

Zwischen 2000 und 2017 ist die gesellschaftliche Akzeptanz der Erwerbstätigkeit von Frauen gestiegen (auf 8,3 von 10 Skalenpunkten bei Frauen und auf 8,0 bei Männern). Die Akzeptanz der Erwerbstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern blieb aber gering (Frauen: 4,8; Männer: 3,8). Dies zeigt eine Untersuchung, die in der Zeitschrift Social Change in Switzerland publiziert wurde. Die Studie zeichnet die Entwicklung der Einstellungen zur Geschlechtergleichstellung in der Schweiz nach. Entgegen den Erwartungen zeigt die jüngste Generation – die Millennials – die traditionellsten Einstellungen zum Thema Geschlecht. So sind im Vergleich zur älteren Bevölkerung weniger Millennials der Ansicht, dass Frauen in bestimmten Bereichen weiterhin diskriminiert werden und dass mehr Massnahmen zur Förderung der Gleichberechtigung erforderlich wären.

Vielen Westschweizer Kulturschaffenden droht ein Berufswechsel

In der Westschweiz befürchten 43% der Kulturschaffenden, dass sie wegen finanzieller Probleme während der Pandemie den Beruf wechseln müssen. Etwa 47% beschreiben ihre finanzielle Situation als besorgniserregend bis katastrophal, und dies trotz der staatlichen Finanzhilfen, die als wenig bedarfsgerecht eingeschätzt werden. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Taskforce Culture Romandie, der Vertreter/innen von Dachorganisationen und Gewerkschaften verschiedener Kulturbranchen angehören. Die Taskforce Culture Romandie ist Mitglied der Task Force Culture, die in der ganzen Schweiz aktiv ist.

Online-Spielerfahrung für die Stellensuche nutzen

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Online-Spiele soziale und kognitive Fähigkeiten wie beispielsweise Teamarbeit, Problemlösung, Kommunikation und räumliches Denken fördern. Die ManpowerGroup Schweiz lancierte daher den "Gaming Skills Translator". Mit diesem Tool können Gamer ihre Spielerfahrungen erfassen. Das Tool wandelt sie in berufliche Fähigkeiten um, die in den Lebensläufen erwähnt werden können. Es werden auch Vorschläge zu passenden Berufsfeldern und Stellenkategorien ausgegeben.

Verschiedenes

Schweiz und Deutschland: Gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen

Seit über 80 Jahren pflegen die Schweiz und Deutschland eine erleichterte gegenseitige Anerkennung von beruflichen Abschlüssen. Um die bewährte Praxis auch in Zukunft weiterzuführen und auf zusätzliche Bereiche auszudehnen, haben die beiden Länder ein neues Abkommen unterzeichnet. Damit profitieren nicht nur Handwerksberufe von erleichterten Bedingungen und Verfahren für die Feststellung der Gleichwertigkeit, sondern alle beruflichen Abschlüsse, die in der Schweiz und in Deutschland im Bundesrecht geregelt sind. Das bilaterale Abkommen mit Deutschland ergänzt das bestehende europäische System der Anerkennung von Berufsqualifikationen, an dem die Schweiz wie die meisten europäischen Länder teilnimmt.
Medienmitteilung

Jugendliche in der Quarantäne: Studie und Tipps

Wie nehmen Jugendliche zwischen 14 bis 18 Jahren die Corona-Situation wahr und wie gehen sie mit Schulschliessungen oder persönlichen Einschränkungen um? Eine Studie des Jacobs Center der Universität Zürich gibt auf diese Fragen Antwort. Es zeigte sich eine erstaunliche Solidarität: So erreichte die Aussage "Der Bundesrat hat zu strenge Regeln beschlossen" nur geringe Zustimmung (1,32 von 5 möglichen Punkten). Die Ergebnisbroschüre enthält auch Tipps für Jugendliche zum Umgang mit sozialen Einschränkungen und zum effektiven selbstgesteuerten Lernen zu Hause. Eine zweite Untersuchung fokussierte auf die Situation von jungen Erwachsenen.
Weitere Informationen

SGB: Neue Zentralsekretärin für Bildungs-​ und Jugendpolitik

Nicole Cornu übernimmt beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB die Dossiers Bildungs-​ und Jugendpolitik. Sie folgt auf Laura Perret Ducommun, die zum Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) wechselte. Cornu trat ihre Funktion am 8. Februar 2021 an. Die 38-​jährige Berner Politologin ist Expertin im Bereich Bildung mit Schwerpunkt Berufsbildung; sie wird in allen wichtigen Gremien der Verbundpartnerschaft Einsitz nehmen.
Medienmitteilung

OW: Stellwerk-Test auch in der 9. Klasse?

Der Kanton Obwalden prüft, ob der Leistungstest "Stellwerk" auch in der 9. Klasse durchgeführt werden soll. Dafür würden Kosten von rund 12'000 Franken anfallen. Für eine Durchführung in der 9. Klasse könnte sprechen, dass einige Berufsfachschulen der Zentralschweiz bei Eintritt diesen Test verlangen. Diese Informationen sind einer ausführlichen Stellungnahme des Regierungsrates zu einer Interpellation zu entnehmen. Die weiteren Vorstösse und Geschäfte, die in den Kantonsparlamenten und im Bundesparlament im Bereich Bildung behandelt werden, sind in der monatlichen Übersicht des Informationsdienstes IDES der EDK aufgelistet.

ZH: Lehrstuhl für Berufs- und Weiterbildung

Katrin Kraus übernimmt den Lehrstuhl für Berufsbildung an der Universität Zürich. Sie folgt auf Philipp Gonon. Die 1973 in Wadern (Deutschland) geborene Kraus war an verschiedenen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland und in der Schweiz tätig. Heute leitet sie das Institut für Weiterbildung und Beratung an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ihre neue Stelle wird sie am 1. Mai 2021 antreten. Ihr Lehrstuhl heisst dann "Berufs- und Weiterbildung". Mit der Namensänderung sollen die Bedeutung der Weiterbildung als Teil der Berufsbildung und das Lernen im Erwachsenenalter unterstrichen werden.

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