PANORAMA-Studienreise nach Kopenhagen vom 26. bis 29. Mai 2019


Die 29-köpfige Reisegruppe der PANORAMA-Studienreise 2019 wurde in sieben Institutionen in die Strukturen und Funktionsweisen der dänischen Berufsbildungs-, Berufsberatungs- und Arbeitsintegrationssysteme eingeführt. Die Verständigung erfolgte in englischer Sprache. Einige besonders interessante Highlights dieser Präsentationen waren:

Berufsbildung: Teil des «Nationalt Center for Erhvervspædagogik» bildet ein «Learning Lab», in dem Lehrpersonen aller Stufen die Durchdringung von digitalem und analogem Lernen einüben. Das Lab ist nach modernsten schulraumdidaktischen Grundsätzen eingerichtet und bietet offene Räume für didaktische Experimente. Das Berufsbildungssystem selber war jahrelang als Angebot für leistungsschwächere Jugendliche konzipiert. Nun wird versucht, inspiriert durch internationale Entwicklungen, die Berufsbildung auch für Leistungsstarke attraktiv zu machen. Einen aus Schweizer Sicht besonders interessanten Weg bilden duale Bildungen, die gleichzeitig zu einem beruflichen und einem gymnasialen Abschluss führen, der für den Besuch von universitären Studiengängen berechtigt – eine in der Schweiz nicht vorhandene Kombination.

Berufsberatung: Die dänische Berufsberatung erbringt wesentliche Anteile ihrer Dienstleistungen über digitale Kanäle – Chats, Telefongespräche, E-Mails. Dieses e-counceling ist in der Schweiz kaum entwickelt und hochinteressant. Zugänglich sind diese Dienste in der Regel von 9 bis 21 Uhr und am Wochenende von 12 bis 16 Uhr. Beim Besuch erhielten wir Einblick in die Räume des Call-Centers. Face-to-face-Beratungen
erhalten Personen mit komplexen Fragestellungen, wie zum Beispiel schulschwache Jugendliche, die bei der Berufswahl nicht auf elterliche Unterstützung zählen können, oder Personen, die eine Ausbildung abgebrochen haben und sich nun um eine Fortsetzung bemühen. Der dänische Staat hat dabei die Pflicht zur Kontaktnahme mit diesen Personen, die ihrerseits zur Teilnahme an Massnahmen zur Bildung oder Arbeitsintegration verpflichtet sind.

Arbeitsintegration: Die dänischen Einrichtungen zur Integration von Stellensuchenden sind kommunal organisiert. Sie verfügen über weitreichende Möglichkeiten zur Qualifizierung von Stellensuchenden. Das dänische Modell der «Flexicurity» erlaubt den Arbeitgebern rasche Entlassungen, enthält aber auch (inzwischen als zu bescheiden kritisierte) soziale Vorkehrungen zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit. So haben
Stellensuchende Anspruch auf Beratung und Vermittlung sowie eine mindestens sechswöchige Bildungsmassnahme; darüber hinaus können Jobberater/innen auch bedeutend längere Qualifizierungsmassnahmen verfügen – eine Ausstattung, die man in der Schweiz so nicht kennt. Interessant ist, dass der Staat in den ersten vier Wochen der Arbeitslosigkeit 80 Prozent der Kosten übernimmt, die Kommunen aber nur 20 Prozent. Dieses Verhältnis kehrt sich mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit um. Auch dieses rigorose Anreizsystem ist in der Schweiz unbekannt.

Daniel Fleischmann