Ausgabe 06 | 2016

BERUFSBERATUNG

Seeländer Berufswahlwoche

Schnupperlehren effizient nutzen

Das BIZ Biel-Seeland organisiert zusammen mit der Wirtschaftskammer und den Berufsfachschulen eine Berufswahlwoche: Jugendliche erhalten während fünf Tagen vertiefte Einblicke in Berufswelten und sind danach in der Lage, gezielter Schnupperlehren zu absolvieren.

Von Mattias Rubin, Berufs- und Laufbahnberater BIZ Biel-Seeland

In den Workshops können die Berufe praktisch und mit verschiedenen Sinnen erfahren werden. (Bild: Mattias Rubin)

In den Workshops können die Berufe praktisch und mit verschiedenen Sinnen erfahren werden. (Bild: Mattias Rubin)

In der berufsberaterischen Arbeit begegnet man oft Jugendlichen, welche bereits kurz nach Beginn einer Schnupperlehre merken, dass der Beruf sie doch nicht interessiert oder dieser nicht zu ihnen passt. Eine solche Situation ist sowohl für die Jugendlichen wie auch für die Betriebe enttäuschend. Es kommt zu Schnupperlehrabbrüchen oder zu einem Absitzen der Zeit, ohne dass ein Nutzen daraus gezogen werden könnte. Auch in der Fachliteratur wird die Wichtigkeit von sorgfältig geplanten praktischen Erfahrungen in einer frühen Phase des Berufswahlprozesses betont.

Zwischen Berufswahlmesse und Schnupperlehre

Das Pilotprojekt Seeländer Berufswahlwoche versteht sich als Berufswahlschritt zwischen der Berufswahlmesse und der Schnupperlehre. Nach der Berner Ausbildungsmesse (BAM), an der Informationen breit gesammelt werden können, fügen wir als niederschwelliges Element halbtägige Workshops ein. In diesen Workshops können diverse Berufe praktisch und mit verschiedenen Sinnen erfahren werden. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, ohne Verpflichtung und praxisnah verschiedene Berufe zu erleben. Bei einem positiven Fazit können sie in einem nächsten Schritt die Schnupperlehre angehen. Dieses mehrstufige Verfahren erhöht die Chance, die Zeit der Schnupperlehren effizient, zielführend und am richtigen Ort zu verbringen. Die Berufswahlwoche wurde 2013 erstmals durchgeführt. Sie findet einmal pro Jahr während zwei aufeinanderfolgenden Wochen in Deutsch respektive Französisch statt. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaftskammer Biel-Seeland, den Berufsfachschulen der Region, diversen Betrieben und dem BIZ. Während die Wirtschaftskammer die Anmeldungen koordiniert und für den Flyer zuständig ist, kümmert sich das BIZ um die Vernetzung, die Etablierung beziehungsweise Erweiterung der Workshops sowie um die Kommunikation gegen aussen. Die Nähe der BIZ zu den Oberstufenschulen erleichtert den Zugang zur Zielgruppe. Die Berufswahlwoche erfreut sich seit ihrem Start steigender Bekannt- und Beliebtheit. 2016 werden vierzehn Workshops auf Deutsch (D) und sieben auf Französisch (F) mit 320 Plätzen (D) und 173 Plätzen (F) angeboten. Insgesamt werden durch die zehn Betriebe und vier Berufsfachschulen Einblicke in 44 Berufe (D) respektive 16 Berufe (F) ermöglicht.

Fachkräftemangel als Anstoss

Ursprünglich wurde das Projekt initiiert, weil in der Industrieregion Biel das Angebot an technischen Lehrstellen grösser ist als die Nachfrage bei den Jugendlichen, was sich im Namen der Projekt-Website www.fokus-technik.ch widerspiegelt. Mittlerweile hat sich das Projekt in alle Richtungen vergrössert. Heute werden auch Einblicke in Berufe angeboten, bei denen kein Mangel an interessierten Jugendlichen herrscht. Diese Tatsache macht deutlich, dass sich die Woche in der Region etabliert hat. In meiner Masterarbeit am IAP zeigte sich, dass die Möglichkeit, durch die Seeländer Berufswahlwoche noch unbekannte oder geschlechtsuntypische Berufe zu entdecken und damit eine Spektrumserweiterung zu erreichen, von den Anbietern als zentrales Element angesehen wird. Auch die Niederschwelligkeit, die erleichterte gegenseitige Kontaktaufnahme, die breite Berufspalette und der gemeinsame Auftritt werden sehr geschätzt. In Zukunft wird die Berufswahlwoche vor einige Herausforderungen gestellt: zu koordinierendes Wachstum, zu verbessernder Einbezug der Zweisprachigkeit und das Mengengerüst. Es gilt einen Kompromiss zu finden zwischen dem angestrebten Ziel, praktische Erfahrungen zu ermöglichen und zugleich den Bedürfnissen der Jugendlichen und der Berufsfachschulen zu entsprechen.

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