Panorama-Studienreise 2011 ins Südtirol

Text: Beatrice Zeller
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Einleitung

Die PANORAMA-Studienreise vom 17. bis 20. Mai in die Region Bozen/Meran hat den Teilnehmer/innen einen breiten Überblick über die Berufsbildungseinrichtungen und die Organisation der Berufsberatung in der autonomen, deutschsprachigen Provinz Südtirol vermittelt. Das umsichtig organisierte Programm beinhaltete auch Referate und Gesprächsrunden mit Fachpersonen aus Österreich (Vorarlberg), Liechtenstein und Deutschland (BIBB).

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Grenzüberschreitende Bildungs- und Arbeitsmarktsysteme kennenlernen

Ein volles Programm erwartete die Gruppe von 15 Fachpersonen aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein, die sich auf der Reise von Basel nach Bozen, mit der Postauto-Fahrt über den Ofenpass, allmählich kennenlernten. Beim Mittagessen in Mals, der ersten grösseren Stadt im Südtirol nach dem Münstertal, war die ganze Gruppe komplett und traf die engagierte, kompetente und sympathische Amtsdirektorin der Ausbildungs- und Bildungsberatung aus Bozen, Dr. Rolanda Tschugguel.

Während des Essens und auf der Bahnfahrt im übervollen Zug nach Bozen erhielten wir einen ersten Einblick in die Geschichte und die Kultur des Südtirols vom Wanderführer Karl Perfler, dessen Wissen über das Tal und die Geschichte des Südtirols eindrücklich sind. Er berichtet über die Entstehung des Tals, die politische Entwicklung des Südtirols, die Zukunft mit der EU, seine philosophischen Überlegungen, die Rettung der Vinschgau-Bahn von Mals nach Bozen, seine Vision der Grenzen der globalen Weltwirtschaft usw. Was er erzählt, lebt er selber vor. Er ist Selbstversorger, ohne Auto und Wohnung, der als Wanderführer arbeitet und pro Tag mindestens eine Beratung anbieten kann, mit Kunden aus den verschiedensten Bereichen.

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Abwechslungsreich und intensiv

Die Organisatoren Karl Giezendanner und Verena Flubacher stellten ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammen. Einerseits mit Vorträgen über die Schul- und Bildungssysteme in Südtirol, Italien, Österreich, Liechtenstein und Deutschland mit kompetenten und erfahrenen Referenten. Die Referate und Vorträge stehen an andere Stelle bereit, deshalb sind im diesem Bericht primär die Eindrücke und Erlebnisse beschrieben. Andererseits gab es interessante Besichtigungen von Schulen und Institutionen in der Umgebung von Bozen und Meran, die in kleineren Gruppen erfolgten und bei denen die Teilnehmer/innen wählen konnten, was sie spezifisch interessierte.

Begleitet wurden die Gruppen von den Berufskollegen aus dem Südtirol, die an verschiedenen Standorten in der Berufs- Studien- und Laufbahnberatung in Berufsinformationszentren arbeiten und in deutscher und italienischer Sprache beraten. Die verschiedenen Schulsysteme, Abschlüsse und Diplome sowie die Bedeutung der dualen Ausbildungen in den Ländern gaben zu vielen Diskussionen Anlass.

Das Südtirol ist eine autonome Provinz Italiens mit den drei Sprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Ladinisch ist die rätoromanische Sprache und wird in den Tälern gesprochen. In den grösseren Städten wie Bozen oder Meran wird mehrheitlich deutsch und italienisch gesprochen. Allgegenwärtig ist trotz italienischem Flair und Lebenskultur die deutsche Sprache. Die Mehrsprachigkeit zieht sich durch das ganze Schul- und Ausbildungssystemen durch. Die Fachhochschulen und sind zweisprachig (I und D), die Lektionen werden in beiden Sprachen abgehalten und die Sprachkenntnisse spielen eine wichtige Rolle im Ausbildungssystem.

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Deutsche und italienische Schulen

In der Primar- und Mittelstufe gibt es deutsche und italienische Schulen. Die Eltern können wählen, ob sie die Kinder in die deutsche oder italienische Schule schicken, wobei die Schüler mit Migrationshintergrund eher die italienische Schule wählen, was entsprechende Probleme mit sich bringt. Die Direktorinnen beider Schulen erzählten lebendig über die Problematik und sprachen klar ihre Erwartungen und auch Anforderungen an die Berufsberatung aus. Die oberen Schulen müssen alle Schüler aufnehmen, egal, wie gut sie in der Schule sind und bei Schülern mit Integrationsthematiken wie ADS oder Legasthenie gibt es entsprechende Abklärungen und Fragestellungen.

Eine Gruppe hat die dreisprachige (D, I und Englisch) Freie Universität Bozen besucht. Das Südtirol gewährleistet grosszügige Stipendien, wenn man ein Jahr im Südtirol gelebt hat, und auch die Studiengebühren sind nicht sehr hoch. Die grössere Hürde ist die Voraussetzung der Sprachkenntnisse. Feststellungen waren auch die unterschiedlichen Titel und Bezeichnungen in Italien und Österreich. So dürfen sich beispielsweise die Absolventen der Landesfachhochschule Gesundheitsberufe Claudiana in Italien mit dem Bachelorabschluss «dottore» nennen. Für die Master und Doktorate gibt es zusätzliche Bezeichnungen zum Titel dottore. In Österreich nennen sich einige Absolventen einer technischen Lehre bereits Ingenieur.

Ansonsten war auffallend, dass das Schweizer System der Berufs- und Studienberatung und der Berufsinformationen in vielem Vorbild für die Berater/innen in Italien, Österreich, Deutschland und Liechtenstein ist. Sie orientieren und informieren sich über die Schweizer Angebote – und verbessern diese je nachdem, wie der Direktor schmunzelnd bemerkte. Die Ausbildungssysteme sind sich also ähnlich.

In Italien kennt das duale Berufssystem und die Berufsmatura noch nicht und möchte dies im Südtirol einführen. Der Stellenwert der Lehre zeigt ein deutliches Gefälle in den Ländern. In Österreich ist die Lehre im Westen, in der Nähe zu Deutschland und zur Schweiz, viel wichtiger und bedeutender als im Osten, wo der Anteil der Maturanden viel höher ist. In Italien verläuft dieses Gefälle von Nord nach Süd. Im Südtirol besitzt die Lehre einen hohen Stellenwert und korreliert mit den Arbeitslosenzahlen, die im Südtirol tiefer sind als im übrigen Italien.

Aus Deutschland orientierte die Leiterin der Abteilung Ordnung der Berufsbildung am Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn, Irmgard Frank, über die Struktur der Lehre und den Verlauf der Anerkennung der Lehrgänge in Deutschland. Die Lehre und die Lehrangebote sind in Deutschland ähnlich bedeutend wie in der Schweiz, auch wenn der Anteil der Abiturienten in Deutschland höher ist. Es gibt ähnliche Berufsausbildungen wie in der Schweiz, die Wahl der begehrten Lehrausbildungen ist fast gleich wie in der Schweiz.

Durch den Status der Autonomie ist das Südtirol unabhängiger von der staatlichen Zentralorganisation in Rom. So fliesst das Geld direkt wieder zurück ins Südtirol und die Regierung kann freier und schneller entscheiden, wie das Geld eingesetzt wird. Investiert wird eindeutig in die Bildung. Wir sahen sehr viele schöne, neue, modern eingerichtete Schulen und Ausbildungsstätten, die nicht nur architektonisch schön gestaltet waren, sondern auch von der Inneneinrichtung alles boten und bei denen bei der Ausstattung nicht gespart wurde, auch nicht mit schönen Materialien wie Granit und Holz.

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Massgeschneiderte Ausbildungen für wichtige Wirtschaftszweige

In der Landwirtschaft herrscht die Monokultur des Apfelanbaus vor. Beim Besuch der Versuchsanstalt in Laimburg wurden die Forschungsergebnisse der Kreuzung der Apfelsorten gezeigt, aber auch die Verbesserung der Produktionsmethoden mit Bewässerungssystemen, Hagelschutznetzen, Schädlingsbekämpfungsmethoden, Erhöhung der Ernte und Wetterbeobachtungen. Ausser der allgegenwärtigen Apfelplantagen spielen der Rebanbau und andere Gemüsekulturen eine Rolle. Speziell ist im Südtirol das alpine und hochalpine Klima und die daraus resultierende Bodenbeschaffenheit mit dem mediterranen Klima, eine Besonderheit des Südtirols. Mals beispielsweise liegt über 1000 m.ü.M., Bozen hingegen rund 250 m.ü.M. Angebaut wird bis auf 1800 m. Und geforscht wird z.B. einer speziellen Erdbeerensorte, die in höher gelegenen Regionen angebaut werden kann.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus und die Hotellerie. Am letzten Tag besichtigten wir die Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran. Der Kaiserhof ist ein altes und grosses Jugendstilhotel mit einem parkähnlichen Garten, im Hotel logierte auch schon Kaiserin Sissy.

Die Schule bietet Aus- und Weiterbildungen in der Hotellerie und Gastronomie an, besitzt eine eigene Küche, einen Restaurant- sowie ein Internatsbetrieb für 65 Lernende. Die anderen Auszubildenden sind extern untergebracht. Bei unserem Besuch fanden gerade die Abschlussprüfungen statt, dennoch konnten wir die Schule und den Hotelbetrieb besichtigen.

Bei einem 4-Gang-Menu zeigten die Lernenden ihre Künste. Es war ein gelungener und genussvoller Abschluss nach vier hochinteressanten, aber auch anstrengenden Tagen. Das Ambiente und der absolute professionelle Ablauf des Essens liessen Zeit für gute Gespräche und ein gemütliches Zusammensitzen.

Das volle Programm liess wenig Zeit für die Sehenswürdigkeiten und die Besonderheiten des Südtirols und es werden wohl einige der Teilnehmenden nochmals ins Südtirol fahren, um das Land und die Leute besser kennen zu lernen. Das Südtirol ist einfach schön und jederzeit eine Reise wert.

Wir danken den Organisatoren und dem SDBB mit dem Fotografen Chester ganz herzlich für die tollen Tage und die ganze Organisation.

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Dokumentation (59 KB)