Ausgabe 05 | 2014

GLOSSE

Berufe mit Zukunft

Diplomierter Freund / diplomierte Freundin FH

Über die sozialen Medien sind heute alle miteinander vernetzt. Und doch fühlen sich die Menschen einsamer denn je. Familiäre und freundschaftliche Bindungen werden schwächer oder verschwinden ganz. Grund dafür sind verschiedene Faktoren wie der zunehmende Individualismus, die steigende Scheidungsrate und lange Arbeitszeiten, die das Sozialleben erschweren.

Von Jean-Noël Cornaz

(Illustration: Andrea Lüthi)

(Illustration: Andrea Lüthi)

Diplomierte Freundinnen und Freunde können hier Abhilfe schaffen. Wer Gesellschaft braucht, mietet sich eine/n Begleiter/in. Neue Freundschaftsagenturen, die nichts mit den zwielichtigen Begleitagenturen gemein haben, schiessen rund um den Globus wie Pilze aus dem Boden. In Japan haben sie sich zum regelrechten Trend entwickelt. Viele Japanerinnen und Japaner geben Tausende von Yen aus, um eine Stunde, einen Abend oder einen ganzen Tag mit einem Mietfreund oder einer Mietfreundin zu verbringen. Einige wollen zu zweit etwas unternehmen, ins Kino oder Essen gehen. Andere brauchen einfach jemanden, der ihnen zuhört und an dessen Schulter sie sich ausweinen können, oder eine/n Begleiter/in, mit der/dem sie sich in der Öffentlichkeit sehen lassen können. Auch in der Schweiz, wo sich die Menschen immer mehr ins Private zurückziehen, hat das Modell Erfolg. Schnell wurden Rufe nach einer seriösen Ausbildung laut. Im September beginnen nun die ersten Studierenden den Bachelorstudiengang in professioneller Freundschaft. Die Ausbildung auf Stufe Fachhochschule umfasst Module in Psychologie, Anthropologie, Schauspiel und Humor. Die erworbenen Fähigkeiten können für unterschiedlichste Dienstleistungen eingesetzt werden: Einkaufsbegleitung, Facebook-Freundschaft, Altersheimbesuch als Mietenkel, Einsätze als Trauzeuge oder trauernder Beerdigungsgast usw. Die Fachhochschulen erarbeiten zurzeit einen Masterstudiengang mit Spezialisierung auf sprachgrenzübergreifende Freundschaften Deutschschweiz – Romandie.

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