Ausgabe 05 | 2014

BERUFSBILDUNG

NQR Berufsbildung

Schweizer Abschlüsse international vergleichbar machen

Im Ausland sind die Abschlüsse der Schweizer Berufsbildung teilweise wenig bekannt. Mit einem Nationalen Qualifikationsrahmen für Berufsbildung sowie mit Zeugniserläuterungen und Diplomzusätzen werden drei neue Instrumente geschaffen, welche die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der hiesigen Berufsbildungsabschlüsse erhöhen.

Von Laura Antonelli Müdespacher, Leiterin Ressort Internationale Bildungsprojekte, SBFI

Bildung ist national geprägt – nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Die Bildungssysteme in Europa zeichnen sich durch eine hohe Diversität aus. Eine Besonderheit der Schweiz ist der hohe Stellenwert der Berufsbildung. Diese orientiert sich an vom Arbeitsmarkt tatsächlich nachgefragten Fähigkeiten, weist eine hohe Qualität auf und bietet zahlreiche Karriere- und Entwicklungsperspektiven.

Transparenz schaffen

Mit der Internationalisierung der Wirtschaft stehen Inhaberinnen und Inhaber von Schweizer Berufsbildungsabschlüssen jedoch vermehrt in Konkurrenz zu Personen mit ausländischen Abschlüssen. Unterschiede in den Bildungssystemen machen es schwierig, den Wert der jeweiligen Ausbildung einzuschätzen. Insbesondere die höhere Berufsbildung ist im Ausland kaum bekannt. Es besteht die Gefahr, dass Arbeitgebende im In- oder Ausland, die mit dem Schweizer Berufsbildungssystem nicht vertraut sind, bei Stellenbesetzungen dazu neigen, Trägerinnen und Träger von international bekannten Hochschultiteln wie Bachelor und Master zu bevorzugen. Damit Schweizer Berufsbildungsabschlüsse mit jenen anderer europäischer Länder besser vergleichbar werden und die Mobilität der Absolvierenden erleichtert wird, führt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit der vom Bundesrat verabschiedeten Verordnung ab Oktober 2014 folgende drei Instrumente ein:
– Nationaler Qualifikationsrahmen für Berufsbildung,
– Zeugniserläuterungen für Abschlüsse der beruflichen Grundbildung und
– Diplomzusätze für Abschlüsse der höheren Berufsbildung.

Die drei Instrumente

Der Nationale Qualifikationsrahmen für Berufsbildung (NQR Berufsbildung) ist ein Raster, der aus acht Niveaus besteht. Er enthält Beschreibungen, die es ermöglichen, sämtliche Abschlüsse der Berufsbildung einem Niveau zuzuordnen. Dabei orientiert sich der NQR Berufsbildung an den Handlungskompetenzen, die eine Person mit einem bestimmten Abschluss aufweist. Ausschlaggebend ist somit nicht der Titel, sondern wozu eine Absolventin bzw. ein Absolvent mit diesem Abschluss fähig ist. Das Einstufungsniveau bezieht sich auf den jeweiligen Berufsbildungsabschluss und nicht auf individuelle Leistungen. Viele Länder kennen bereits nationale Qualifikationsrahmen, die jedoch unterschiedlich ausgestaltet sind. Um die jeweiligen nationalen Qualifikationen eines Landes mit jenen anderer Staaten vergleichen zu können, wird der von der Europäischen Union erarbeitete Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) herangezogen. Der EQR wird als Übersetzungsinstrument verwendet, indem der jeweilige NQR eines Landes zum EQR zugeordnet wird. Dies bedeutet, dass jedes Niveau des NQR einem Niveau des EQR zugeordnet wird. Alle europäischen Länder ordnen zurzeit ihren jeweiligen nationalen Qualifikationsrahmen auf diese Weise ein oder haben dies bereits getan. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise deutsche Unternehmen einen Schweizer Berufsbildungsabschluss besser einschätzen können, da sie wissen, welchem Niveau dieser Abschluss im deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) entspricht (vgl. Grafik 1). Die weiteren zwei Instrumente sind Zeugniserläuterungen und Diplomzusätze. Sie enthalten Informationen zum entsprechenden Abschluss in einer allgemeinverständlichen Sprache. Diese Dokumente ermöglichen Arbeitgebenden im In- und Ausland eine Einschätzung der fachlichen Kompetenzen der Absolvierenden. Beispielsweise werden das Profil der beruflichen Tätigkeit und die Tätigkeitsfelder erläutert. Genannt werden auch die Zulassungsvoraussetzungen, um diesen Abschluss zu erwerben. Ausserdem sind die Niveaus des Abschlusses im NQR Berufsbildung und im EQR aufgeführt. Für jeden Abschluss der beruflichen Grundbildung wird eine Zeugniserläuterung, zu jedem Abschluss der höheren Berufsbildung ein Diplomzusatz erstellt. Beide Dokumente orientieren sich an einer Vorlage der Europäischen Union und sind dadurch leicht wiedererkennbar.

Der Nutzen der neuen Instrumente


– Für Absolventinnen und Absolventen: Diese können ohne zusätzlichen Erklärungsaufwand die Zeugniserläuterung bzw. den Diplomzusatz ihrem Bewerbungsdossier beilegen. Sie verbessern damit ihre Arbeitsmarktchancen und berufliche Mobilität. Denn sowohl Arbeitgebende im Ausland als auch Schweizer Unternehmen erhalten klare Informationen darüber, wie der Abschluss in dem ihnen bekannten Bildungssystem einzustufen ist und welche Kompetenzen die Person aufweist.
– Für Unternehmen: Der Rekrutierungsprozess wird für Unternehmen im In- und Ausland vereinfacht. Die Zeugniserläuterungen und Diplomzusätze liefern transparente Informationen über die Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber. Das NQR Niveau dient als Orientierungshilfe im Schweizer Berufsbildungssystem. Es erlaubt zudem ausländischen Kadern und Personalverantwortlichen die Einstufung des Abschlusses in dem ihnen bekannten Bildungssystem.
– Für die Berufsbildung insgesamt: Die Abschlüsse der Berufsbildung werden gestärkt. Denn der NQR Berufsbildung zeigt den Wert eines Berufsbildungsabschlusses und ermöglicht Vergleiche mit allgemein bildenden Abschlüssen. Er fördert die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse, stärkt die Arbeitsmarktchancen sowie die Mobilität der Absolventinnen und Absolventen und steigert die Attraktivität der Schweizer Berufsbildung.

Die Umsetzung

Beim Einstufungsprozess steht jeweils der Konsens mit den Verbundpartnern im Vordergrund: Auf Basis der Grundlagendokumente (Prüfungsordnung, Rahmenlehrplan, Bildungsverordnung usw) erarbeiten die Träger der Bildungsabschlüsse (Organisationen der Arbeitswelt) einen ersten Einstufungsvorschlag ihrer Abschlüsse und Zeugniserläuterungen bzw. Diplomzusätze. Das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) überprüft als externe Fachstelle die Arbeiten und garantiert damit die Gleichbehandlung und die Kohärenz der Einstufungen im Bildungssystem. Das SBFI entscheidet – nach Konsultation der Verbundpartner – über die definitive Einstufung der Abschlüsse. Der eingestufte Abschluss wird in ein vom SBFI geführtes Verzeichnis aufgenommen, das allen Interessierten offensteht. Die Zeugniserläuterungen zum entsprechenden eidgenössischen Fähigkeitszeugnis oder Berufsattest oder für Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung stehen von diesem Zeitpunkt an zum Herunterladen im Berufsverzeichnis des SBFI zur Verfügung (www.sbfi.admin.ch/bvz). Zu jedem Abschluss der höheren Berufsbildung gibt diejenige Stelle den entsprechenden Diplomzusatz ab, die für die Ausstellung des Fachausweises oder des Diploms zuständig ist (vgl. Grafik 2).

Die nächsten Schritte

Mit der «Verordnung über den nationalen Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung» wurde die Grundlage für den NQR Berufsbildung und die dazugehörigen Zeugniserläuterungen und Diplomzusätze geschaffen. Die Verordnung ist am 1. Oktober 2014 in Kraft getreten. Nun beginnt die Einstufung der Berufsbildungsabschlüsse in den NQR Berufsbildung und die Erarbeitung der Zeugniserläuterungen und Diplomzusätze. Das SBFI unterstützt diesen Prozess mit einer Kick-off-Veranstaltung am 22. Oktober 2014, Schulungen ab 29. Oktober 2014 und weiteren Massnahmen. Die Einstufung aller Schweizer Berufsbildungsabschlüsse soll binnen dreier Jahr stattfinden. Die Veröffentlichung der ersten Serie der definitiven Einstufungen, Zeugniserläuterungen und Diplomzusätze ist für Sommer 2015 vorgesehen.

Links und Literaturhinweise

www.nqr-berufsbildung.ch

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