Ausgabe 05 | 2014

Fokus

Kompetenzen

Kein anderer Begriff prägt die aktuellen bildungspolitischen Debatten wie derjenige der Kompetenzorientierung: für die einen ein längst fälliger Paradigmenwechsel, für die anderen ein verheerender Verlust an Wissen. Welche Ausprägungen hat Kompetenzorientierung in Berufsbildung, Berufsberatung und Arbeitsmarkt?

Editorial

Im Bildungswesen scheint sich Reformverdrossenheit breitzumachen. Insbesondere die Volksschule ist mit der Debatte um das HarmoS-Konkordat und den Lehrplan 21 in turbulente Fahrwasser geraten, nicht nur aus pädagogischen, auch aus bildungs-, staats- und parteipolitischen Gründen.

Kompetenzen für eine bewusste Berufswahl

Die Zeit der Berufswahl ist für Jugendliche eine entscheidende Phase. Der neue Westschweizer Lehrplan gibt den Rahmen für einen kompetenzorientierten Berufswahlunterricht vor. Die Umsetzung in den Kantonen ist sehr unterschiedlich.

Was sich Lernende in der Schule aneignen sollten

Wenn die Volksschule und die Lehrbetriebe von Kompetenzen sprechen, verwenden sie unterschiedliche Sprachen. Ein Projekt will Übersetzungshilfe leisten – mit schulischen Anforderungsprofilen für die berufliche Grundbildung.

Näher an der Praxis

Für das Leben lernen wir, nicht für die Schule – Senecas Forderung wird in der Berufsbildung gut umgesetzt, finden die Fachleute. Zwei Dinge aber schmälern an den Berufsfachschulen die konsequente Orientierung an Handlungskompetenzen: der Stoffdruck und konventionelle Prüfungsformen.

Lernen am Arbeitsplatz

Grundkompetenzen sind Fähigkeiten, die eine aktive und eigenständige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und im Arbeitsmarkt ermöglichen. In den Unternehmen wird die Förderung dieser Kompetenzen vernachlässigt. Das Projekt GO2 will dem entgegenwirken und prüft verschiedene Massnahmen in Pilotprojekten. Eines davon fand in Tramelan im Berner Jura statt.

Berufsbildung

Warum ein Hoffnungsträger nicht abhebt

Lehrbetriebsverbünde haben ein grosses Potenzial. Das ist die Schlussfolgerung eines dreijährigen Forschungsprojekts. Die unterschiedlichen Interessen der Einzelbetriebe können das komplexe Ausbildungsmodell jedoch schwächen, weshalb es nur zögerlich Fuss fasst.

Schweizer Abschlüsse international vergleichbar machen

Im Ausland sind die Abschlüsse der Schweizer Berufsbildung teilweise wenig bekannt. Mit einem Nationalen Qualifikationsrahmen für Berufsbildung sowie mit Zeugniserläuterungen und Diplomzusätzen werden drei neue Instrumente geschaffen, welche die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der hiesigen Berufsbildungsabschlüsse erhöhen.

Ein Plädoyer für die Berufsbildung

Im Buch «Die Akademisierungsfalle» warnt Rudolf Strahm vor einer zunehmenden Akademisierung der Bildungs- und Arbeitswelt und plädiert dafür, die Berufsbildung zu stärken. Viele seiner Thesen sind plausibel, aber bewiesen sind sie noch nicht.

Berufsberatung

Motivierende Gesprächsführung in der Berufsberatung

Die Motivation spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, anstehende Veränderungen erfolgreich anzugehen. Um die Motivation zu steigern, könnte in der Studien- und Laufbahnberatung künftig auch eine spezifische Gesprächsmethode aus der klinischen Psychologie zum Einsatz kommen.

Hoffnung als Karriere-Ressource

Hoffnung hängt mit verschiedenen positiven Aspekten der Laufbahnentwicklung zusammen: Sicherheit, Leistung, Zufriedenheit und Motivation. Sie kann auch in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung gesteigert werden.

So gelingt der Start in die Berufslehre

Jugendliche mit einem direkten Einstieg in die Lehre beginnen diese in der Regel sehr gut. Erfolgsfaktoren bei den Jugendlichen sind die Sicherheit in der Berufswahl, Elternunterstützung, Sozialkompetenzen und Konzentrationsfähigkeit. Die Betriebe tragen mit Struktur, Feedback und Beziehung zum Erfolg bei.

Arbeitsmarkt

Zögerlicher, aber gelingender Einstieg in den Arbeitsmarkt

Zehn Jahre nach Erfüllung der Schulpflicht sind über 80 Prozent der jungen Menschen in der Schweiz erwerbstätig, rund 25 Prozent in Ausbildung, die meisten von ihnen auf Tertiärstufe und parallel zum Erwerb. Etwa 10 Prozent der 26-Jährigen haben keinerlei nachobligatorischen Ausbildungsabschluss. Dies zeigen neue Ergebnisse der Längsschnittstudie TREE.

Mehr unternehmerisches Denken

Arbeitsmarktmassnahmen waren in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher Studien und Diskussionen. Im Juni hat das SECO eine neue Ausrichtung der nationalen Massnahmen angekündigt: Insbesondere sollen Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Qualität der vom SECO mitfinanzierten AMM gesteigert werden. Konkrete Pläne für die Umsetzung gibt es aber noch nicht.

RAV: Fehlende Instrumente bei psychischen Erkrankungen

Ein Bericht der OECD zeigt, dass Personen mit psychischen Problemen nach wie vor zu häufig in die IV-Rente und Sozialhilfe verschoben werden. Rund 40 Prozent aller Neurenten sind psychisch begründet. Niklas Baer, Mitautor der Studie, äusserst sich zur Rolle der regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV).

Glosse

Diplomierter Freund / diplomierte Freundin FH

Über die sozialen Medien sind heute alle miteinander vernetzt. Und doch fühlen sich die Menschen einsamer denn je. Familiäre und freundschaftliche Bindungen werden schwächer oder verschwinden ganz. Grund dafür sind verschiedene Faktoren wie der zunehmende Individualismus, die steigende Scheidungsrate und lange Arbeitszeiten, die das Sozialleben erschweren.

Nächste Ausgabe

PANORAMA Nr. 6 | 2019 mit dem Fokus «Steigende Anforderungen» erscheint am 13. Dezember.