PANORAMA-Studienreise 2013 nach Barcelona

Text: Annamaria Chiaradia, Susann Schläppi, Carla Gasser
und Karl Giezendanner.
Bilder: Steffi Wirth von Blarer, Martin Ziltener, Carla Gasser,
Christoph Städeli, Corinne Vuitel.


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Einleitung

Vom 6. bis 9. Mai 2013 führte das "Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung" (SDBB) in Zusammenarbeit mit der "ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit" eine viertätige Studienreise durch zum Thema "Innovatives Spanien – gefordert in Berufsbildung und Arbeitsmarkt". Während dieser Bildungsreise nach Barcelona besuchten 29 Fachpersonen der Berufsbildung, der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung und des Arbeitsmarktes aus der ganzen Schweiz (und Liechtenstein) verschiedene katalanische Institutionen und Organisationen aus Bildung, Beratung und Arbeitsmarkt. Der Austausch mit zahlreichen lokalen Experten und Fachleuten aus diesen Bereichen ermöglichte den Teilnehmenden neue Erkenntnisse und mannigfaltige Bildungserfahrungen.

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Spanien kämpft derzeit mit riesigen Problemen. Gemäss offiziellen Statistiken ist rund die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit, andere Schätzungen gehen eher von einem Viertel aus. Dabei fällt auf, dass junge Erwachsene mit Berufsabschluss in geringerem Masse von Arbeitslosigkeit betroffen sind als der Durchschnitt ihrer Altersgruppe. In der Schweiz denken deshalb Bundesrat und Nationalrat über den Export der international anerkannten dualen Berufsbildung in die Länder Südeuropas nach, während Deutschland erst kürzlich einen solchen Kooperationsvertrag mit Spanien vereinbart hat. Dieser sieht vor, ein Berufsbildungssystem nach deutschem Muster einzurichten. Vor dem Hintergrund dieser Bemühungen war es äusserst interessant zu sehen, wo die Knackpunkte des spanischen und katalanischen Berufsbildungssystems liegen. Und weil Not erfinderisch macht, entstehen im dynamischen Barcelona besonders viele innovative Initiativen. Dem Optimismus und der Motivation, aber auch der Gelassenheit, mit der die katalanischen Akteure diese Herausforderungen angehen, begegnete die Schweizer Reisegruppe mit grösstem Respekt.

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Montag, 6. Mai

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Schweizer Schule

Die Schulleiterin Barbara Sulzer Smith und ihr Stellvertreter führten die Reisegruppe durch die Räumlichkeiten der Schweizer Schule mit ihren 600 Schüler/innen. Das Bildungsangebot reicht hier vom Kindergarten bis zum Gymnasium. Gegenwärtig wird noch keine Berufsfachschule angeboten. Doch besteht ein Berufsbildungsprojekt, das sich in 5 bis10 Jahren konkretisieren soll. Damit würde das schweizerische Berufsbildungssystem als bewährtes Instrument gegen die Jugendarbeitslosigkeit nach Barcelona getragen. Der Bundesrat hat denn auch soeben in einem neuen Gesetz die Bedeutung der Schweizer Schulen für die Vermittlung schweizerischer Bildung im Ausland betont und gewichtige neue Fördermöglichkeiten beschlossen, insbesondere für die berufliche Grundbildung.

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Schweizer Generalkonsulat

Am Abend wurden die Eindrücke aus der Praxis mit Referaten und Diskussionen in der Residenz des Schweizerischen Generalkonsuls ergänzt und vertieft. Rund 30 hochkarätige Vertreter/innen aus dem katalanischen Bildungswesen, aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie aus Beratungskreisen und Behörden waren anwesend. Das Referat von José Antonio Martin, hochrangiger Vertreter des katalanischen Bildungsdepartementes, verschaffte uns als Erstes den theoretischen Hintergrund über das katalanische Berufsbildungssystem.

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Nach der Präsentation des helvetischen Berufsbildungssystems durch Gastgeber  und Generalkonsul Pascal Décosterd wurden folgende Fragen lebhaft diskutiert: Lässt sich das duale Modell in Katalonien bzw. in Spanien einführen? Kann dieses die Jugendarbeitslosigkeit verringern? In welchem Zeithorizont liesse sich das implementieren? Stimmt der Zeitpunkt (Wirtschaftskrise) für die Einführung dieses Modells? Welchen Stellenwert, welches Image hat die Berufsbildung gegenüber einer akademischen Ausbildung? Welche Rolle spielen die involvierten Akteure? Existieren eine gemeinsame Strategie und das Know-how, um Lernende auszubilden?
In der Diskussion wurden die Unterschiede der Systeme in den beiden Ländern offensichtlich. Grösste Diskrepanz ist die Einbindung der Verbundpartner. Während in der Schweiz das ganze System durch die Verbundpartner (Bund, Kantone und OdA) und eben auch durch die Wirtschaft erarbeitet, umgesetzt und getragen wird, ist es in Katalonien der Staat, der verordnet. Das duale System kann in Katalonien nicht konsequent umgesetzt werden. Die Bereitschaft und das Verständnis der Unternehmen zur Ausbildung fehlen weitgehend. Deshalb wird die Praxis in den Berufsschulen selber angeboten (analog den Lehrwerkstätten in der Schweiz) und der Übergang in die Arbeitswelt wird für die Lernenden entsprechend schwieriger.
Im Anschluss an den engagierten Meinungsaustausch offerierte das Generalkonsulat den Besucher/innen köstliche lokale Tapas und Weine aus der Region.

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Dienstag, 7. Mai

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Barcelona Activa

Die Institution Barcelona Activa befasst sich einerseits mit der Beratung und Starthilfe für innovative Firmengründer/innen. Andererseits ist sie für die Information, Beratung, Schulung und Ausbildung von Jungen und Erwachsenen in Sachen Berufseinstieg zuständig. Es ist also eine Art Regionales Arbeitsvermittlungszentrum RAV, Berufsinformationszentrum BIZ und Handelskammer, vereint in einer einzigen Institution. Barcelona Activa orientiert sich dabei am frankofonen Modell der Cité des Métiers (siehe auch Panorama Nr. 3/2010), in dem die interinstitutionelle Zusammenarbeit gelebt wird. Die Klienten werden hier mit allen verfügbaren Mitteln bei der Umsetzung ihrer beruflichen Ziele – sowohl als Arbeitgebende als auch als Arbeitnehmende – unterstützt. In dieser Institution ist die Vernetzung der staatlichen Dienstleistungen für den Arbeitsmarkt und für die Berufsbildung vollzogen.

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Marc Sans, Promotion Senior Officer von Barcelona Activa, rührte in seiner fulminanten Präsentation kräftig die PR-Trommel für die unternehmerischen Möglichkeiten im Standort Barcelona. Kein Wunder gewann er mit Barcelona Activa 2011 den European Enterprise Promotion Award. Er vergass in seinem Überblick dabei auch nicht, auf den politisch heissen Konflikt zwischen der spanischen Zentralregierung in Madrid und den nach Autonomie strebenden Provinz Katalonien einzugehen. Gerade am Tag unseres Besuches hatte das spanische Verfassungsgericht dem Regionalparlament in Katalonien untersagt, im nächsten Jahr ein Volksreferendum über den Weg in die Unabhängigkeit durchzuführen. Für weiteren Zündstoff bleibt gesorgt.

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Zum Abschluss des Besuchs führt uns Marc Sans durch die Porta 22, einem der vier Standorte von Barcelona Activa. Es ist ein architektonisch grosszügig gestaltetes, modernes Gebäude mit einem grossen, offenen zentralen Raum, der in diverse Arbeitsinseln aufgeteilt ist mit Beratungsbüros, Computern, einer Fachbibliothek, Kursräumlichkeiten. Eine Schulklasse verteilt sich um einige PCs. Vereinzelte Frauen und Männer sitzen in einer Stuhlreihe und warten darauf, dass sie ihre Bewerbungsunterlagen einer Fachperson zeigen können. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig, das Angebot ist niederschwellig.

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Grafische Fachschule

Die Escola de Formacio Professional Antoni Alguero ist aus einer öffentlich-privaten Partnerschaft entstanden. Gemäss Joan Creus, dem jungen Direktor mit ausgezeichneten Deutsch-Kenntnissen, bietet die Berufsschule im graphischen Gewerbe Ausbildungen von unterschiedlicher Dauer (1 und 2 Jahre) an. Ausbildungsschwerpunkte bilden Berufe der Multimedia- und der Druckerbranche (Medienvorstufe, Drucktechnologie, Printmedienverarbeitung). Die Organisation ist vergleichbar mit der schulisch organisierten Grundbildung in der Schweiz oder mit den Lehrwerkstätten: zu 80% wird Theorie und Praxis in der Schule vermittelt, zu 20% absolvieren die Lernenden ein Praktikum in einem Betrieb der grafischen Branche.
Ein Gang durch die Räumlichkeiten zeigt junge Menschen bei der Arbeit. In einem Computerraum gestalten Jugendliche einen Flyer. Es sind nicht nur Spanier, die hier lernen, wir sehen auch zwei junge Finninnen. Es wird konzentriert gearbeitet, aber zwischendurch auch gelacht. Auffallend ist, dass die Schule mit dem besten Equipment ausgestattet ist. Dank wichtiger Kooperationspartner wie AGFA, Konica Minolta, Bobst Group, Ricoh, Mewa oder Kodak ist die ständige technologische Erneuerung des Maschinenparks gewährleistet. Wichtig ist der Schule, dass ihre Ausbildungsgänge konstant an die branchenüblichen europäischen Standards angepasst sind. Deshalb wird ein reger Austausch mit der Schweiz (Viscom), Deutschland, Holland und Finnland gepflegt. Zudem partizipiert sie an beruflichen Austauschprogrammen des EU-Projektes Leonardo.

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Stadtrundgang

Am Abend ging es unter der kundigen Leitung einer lokalen Reiseführerin durch die engen, belebten Gassen des historischen Barrio Gotico, dem ältesten Stadtteil von Barcelona.

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Mittwoch, 8. Mai

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Universitat Politècnica de Catalunya

Barcelona verfügt über mehrere Universitäten. Die Studienreise sah den Besuch in zwei grösseren Universitäten vor, welche beide über mehr als 30'000 Studierende vorweisen können. Für die Universitat Politècnica de Catalunya ist der Austausch mit Partneruniversitäten sehr wichtig. Sie pflegt den Kontakt zur ETH Zürich und ist - wie Elisa Sayrol, Vicerector Institutional Policy, ausführte – sehr interessiert am Erasmus-Programm mit seinem Studierendenaustausch.

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Gruppenfoto

Universitat Autonoma de Barcelona

An der Universitat Autonoma de Barcelona gab der Titularprofessor für angewandte Pädagogik, Mario Martinez Munoz, einen Überblick über die Berufsberatungsstrukturen ("vocational guidance") in Katalonien. Er zeichnete dabei ein Bild prekärer Verhältnisse, wobei vor allem die Rolle der lokalen Behörden ungeklärt sei und keine starken Modelle und Strukturen erkennbar seien. Er zeigte drei Problembereiche des Bildungs- und Beratungssystems in Katalonien und in Spanien auf:
- Einsparungen von mehreren Milliarden Euro (Budgetkürzung 2012)
- Fehlende empirische Kenntnisse über die Ist-Situation im Beratungswesen
- Ohne gesicherte Datengrundlage können keine nachhaltigen Prozesse definiert werden und es werden deshalb nur kurzfristige Massnahmen umgesetzt wie etwa Ausbildungskurse für Abschlussklassenlehrpersonen im Bereich Berufsbildung und Berufsberatung.
Diese fehlende Koordination verschärft sich durch die Tatsache, dass mit jeder neuen Regierung ein neues Bildungsgesetz geschaffen wird. Diese Stopp-and-go-Politik verhindert einen nachhaltigen Aufbau der Prozesse.
Die Reisegruppe aus der verwöhnten Schweiz konnte dabei gleich anschaulich miterleben, dass in dieser Hinsicht keine kurzfristigen Verbesserungen zu erwarten sind: Am folgenden Tag fand nämlich im Zentrum Barcelonas eine Grossdemonstrationen gegen die umstrittenen Bildungsreformen der Regierung statt. Die derzeit regierende, konservative Partido Popular will mehr Prüfungen durchführen lassen und eine "Kultur der Anstrengung" fördern. So weit herrscht noch überparteilicher Konsens. Bekämpft wird die Reform vor allem deswegen, weil auf Druck der Kirche der Religionsunterricht (auf Kosten der einst von den Sozialisten eingeführte Bürgerkunde) aufgewertet wird und weil der Zentralstaat mehr Kompetenzen erhält auf Kosten der autonomen Provinzen wie Katalonien. Zudem wurden wegen der Defizitreduktion im Erziehungswesen über 10 Milliarden Euro gestrichen! Tausende von Lehrer/innen haben ihre Stelle verloren.

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Aset

Direktor Lothar Sprenzel ist seit bald 10 Jahren Geschäftsleiter der Schule. Er erklärt, dass der Name ASET (asociacion hispano-alemana de ensenanza tecnicas) eigentlich nicht ganz korrekt sei, denn im technischen Bereich wurde hier nie ausgebildet. Deshalb nennt sie sich bald neu FEDA (Formaciòn Empresarial Dual Alemana, oder German Business School). Es ist eine kleine Privatschule mit 150 Schülerinnen und Schülern. Die Trägerschaft besteht aus einem Verein, welcher durch viele Mitgliederfirmen wie ALDI, Lidl, Bauhaus, Mediamarkt, Random House Mondadori und Bertelsmann getragen wird. Die Lernenden machen gleichzeitig einen Abschluss in der beruflichen Grundbildung und auf Tertiärstufe. Sie erwerben bei diesem besonderen praxisorientierten Studienmodell zwei qualifizierte Abschlüsse, nach zwei Jahren den anerkannten Kaufmannsgehilfenbrief und nach drei Jahren einen Bachelor of Arts. Für diese Ausbildungen werden ein Abitur oder die Mittlere Reife vorausgesetzt. Es sind sowohl gute Deutsch- als auch gute Spanischkenntnisse nötig, da der Unterricht und die praktische Ausbildung im Unternehmen in beiden Sprachen stattfinden.
Sehr sympathisch waren die drei Studierenden der FEDA, die den Besucher/innen anschaulich aus ihrem doch ziemlich harten dualen Ausbildungsalltag erzählten. In Deutschland wäre für sie wahrscheinlich alles etwas einfacher...

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Social Dinner

Am Abend traf sich sich die Studienreisegruppe mit den diversen katalanischen Dozenten und Referentinnen der vergangenen Tage in der Nähe des Hafens zum gemeinsamen Abschiedsessen im renommierten Restaurant 7 Portes. Generalkonsul Pascal Décosterd wies noch einmal darauf hin, dass es ihm ein grosses Anliegen gewesen ist, dass nicht nur die Schweizer/innen die spanischen Verhältnisse kennenlernen, sondern dass umgekehrt auch die katalanischen Fachleute Einblick in unser Berufsbildungssystem erhalten konnten.

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In seiner kleinen Rede würdigte Peter Ambühl, Reiseteilnehmer aus dem Fürstentum Liechtenstein, die schweizerisch-liechtensteinische Zusammenarbeit im Bildungswesen und die Anstrengungen der katalanischen Partner. Nick Manouk, Chefredaktor von PANORAMA, dankte zu guter Letzt dem Reiseleiter Karl Giezendanner für die Erarbeitung des ausserordentlich vielfältigen Programms seiner vierten und – leider – nun auch letzten Studienreise.

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Donnerstag, 9. Mai

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Katalanisches Arbeitsamt

Elisa Vicario Alonso vom Servei d'Ocupació de Catalunya (SOC) schilderte uns die nicht ganz einfachen Bemühungen des Arbeitsamtes vor dem Hintergrund einer landesweiten Arbeitslosenquote von 27% Prozent. Für die berufliche Eingliederung setzen sie wie auch wir in der Schweiz auf die Weiterbildung von Erwerbslosen, auf eine aktive Beschäftigungspolitik und den Versuch, die Berufsbildung besser zu koordinieren. Ihre eigene Tätigkeit als Mitarbeiterin der Arbeitsmarktbehörde beinhaltet die Beratung von Arbeitslosen sowie die Förderung der Fähigkeiten und Kompetenzen der anderen Mitarbeitenden. Für Elisa Vicario Alonso steht fest: Neben den fachlichen Kompetenzen sind vor allem das persönliche Engagement, die Belastbarkeit und das empathische Eingehen auf die Probleme der Arbeitslosen viel wichtiger als formale bürokratische Abläufe.

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IES Consulting

IES Consulting ist eine Personalberatung in Barcelona, die sich auf die Vermittlung bezahlter Praktikumsplätze im Ausland an europäische Studierende spezialisiert hat. Im Rahmen des Projektes zur Förderung der internationalen Mobilität vereint IES Consulting – innerhalb qualifizierter Praktika – die Bedürfnisse von Bildungseinrichtungen, Betrieben und Studierenden. Die junge Referentin Nadine Halli schilderte, wie ihre Firma den Paraktikant/innen jederzeit beratend zur Seite steht, egal ob in Fragen zum Praktikumsvertrag, zu Erasmus/Leonardo, zu Stipendien, zur Wohnungssuche im Praktikumsland oder zu andern Problemen während dem Auslandaufenthalt. IES Consulting mag auch für Schweizer Studentinnen und Studenten ganz interessant sein.

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Fazit

Der Spardruck zeigt in Spanien grosse Auswirkungen, die Krise ist auch im Bildungswesen äusserst spürbar: die Ausrichtungen der Gymnasien werden reduziert, künstlerische und sozialwissenschaftliche Zweige werden gestrichen, Personalkürzungen werden unter anderem durch Erhöhung der Klassengrössen und die Erhöhung der Anzahl Lektionen pro Woche für die Lehrenden umgesetzt, Stipendien werden gekürzt oder sogar gestrichen. Die Budgetkürzung trifft in grossem Ausmass auch die Unterstützungen der Lernenden im Übergang I und II. Dadurch wird die Jugendarbeitslosigkeit noch akzentuiert.
Diese Entwicklungen werden weiter verschärft durch folgende Tatsachen:
- Auf Sekundarstufe 1 fehlen systematische Berufswahlstrukturen. Die Berufswahl ist zu wenig auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet. .
- Das soziale Ansehen der Berufsbildung ist noch nicht etabliert. Es gilt im Gegensatz zu einem Universitätsabschluss als minderwertige Ausbildung. Dabei ist mit einem Berufsbildungsabschluss die Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit kleiner als mit einem Universitätsabschluss.
- Die Anschlussmöglichkeiten für eine höhere Berufsbildung sind nicht gegeben.
- Es bestehen keine gesichterten Daten über die Verhältnisse im Berufsbildungssystem.
- Die Prozesse können deshalb nicht nachhaltig gestaltet werden. Es bleibt bei kurzfristigen Massnahmen, bei „Pflästerlipolitik“. Es fehlt auch eine Koordination der einzelnen Massnahmen.

Die Einbindung der Wirtschaft, der Unternehmen ist als Entwicklungsschritt dringend nötig. Jeder Betrieb sollte dahingehend sensibilisiert werden, dass auch sein Beitrag zur Ausbildung von Fachkräften in seinem Beruf dringend gefragt ist. Damit könnte die Berufsbildung in Katalonien besser auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet werden. Durch einen entsprechenden Umbau des Berufsbildungssystems in Katalonien könnten die Ausbildungen besser auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet werden.
Damit wird nicht zuletzt ein wichtiger Schritt zur Reduktion der Arbeitslosigkeit geleistet. Denn jeder arbeitslose Jugendliche ist einer zuviel. Was kann einem Staat schlimmeres passieren als eine demotivierte Jugend? Eine zufriedene Jugend ist die Zukunft, die Basis für eine gesicherte Zukunft.

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