Ausgabe 06 | 2013

BERUFSBILDUNG

Eidgenössisches Berufsattest

Attest macht zufriedene Berufsleute

Berufsleute mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) im Gastgewerbe oder im Detailhandel zeigen sich fünf Jahre nach Ausbildungsabschluss mehrheitlich zufrieden mit ihrer beruflichen Situation.

Von Marlise Kammermann, Lars Balzer und Achim Hättich. Marlise Kammermann ist Dozentin und Lars Balzer Leiter der Fachstelle Evaluation am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB IFFP IUFFP). Achim Hättich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH).

Ein Forschungsteam verfolgt seit Jahren die Berufskarrieren von EBA-Absolventinnen und -absolventen der ersten Stunde (vgl. Kasten). Bei der jüngsten Befragung zeigte sich, dass das Berufsattest für rund zwei Drittel der jungen Berufsleute die Grundlage ihrer Erwerbstätigkeit ist. Sie arbeiten fünf Jahre nach dem Erhalt ihrer ersten beruflichen Qualifikation immer noch im erlernten Beruf. Jede dritte dieser Personen ist ihrem Ausbildungsbetrieb treu geblieben, die anderen haben in der Zwischenzeit mindestens einmal den Betrieb gewechselt. Rund ein Fünftel der Befragten hat sich für eine Arbeit in einem anderen Berufsfeld entschieden. 12% sind weder erwerbstätig noch in Ausbildung, d. h., sie sind entweder arbeitslos (7%) oder kümmern sich mehrheitlich um ihre Familie – diese Quote der Erwerbslosigkeit liegt damit auf einem vergleichbaren Niveau wie 2,5 Jahre nach Ausbildungsabschluss. 70% der Erwerbstätigen arbeiten Vollzeit in einem unbefristeten Anstellungsverhältnis.

Von unter 3000 bis über 5000 Franken

Der auf 100 Stellenprozent hochgerechnete Monatslohn der erwerbstätigen Befragten beläuft sich im Durchschnitt auf 3849 Franken. Dabei geben 6% der Befragten einen Lohn unter 3000 Franken an – in einzelnen Fällen handelt es sich hier um ein Praktikumsverhältnis. Auf der anderen Seite findet sich bei 5% ein Lohn von 5000 Franken oder mehr. Betrachtet man nur die Personen mit Berufsattest als höchstem Abschluss, beläuft sich der durchschnittliche Monatslohn auf 3654 Franken. Die Differenz zum Gesamtdurchschnitt von 3849 Franken ergibt sich durch die Löhne jener, die noch das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) erworben haben. Sie verdienen durchschnittlich 4151 Franken.

Sprungbrett zur Weiterbildung

Für mehr als ein Drittel der befragten Personen diente die zweijährige Grundbildung als Sprungbrett für eine berufliche Weiterbildung. Sie haben in der Zwischenzeit ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in ihrem Beruf oder einen anderen Weiterbildungsabschluss erlangt. Die Befragten bewerten ihre berufliche Karriere grösstenteils positiv. Mehr als 70% sind sowohl mit ihrer beruflichen Situation als auch mit ihrer beruflichen Laufbahn zufrieden. Die meisten von ihnen sind der Ansicht, dass diese ihren beruflichen und schulischen Fähigkeiten sowie ihren persönlichen Zielen mehrheitlich entsprechen.

Links und Literaturhinweise

www.ehb-schweiz.ch

Kasten

Längsschnittstudie zur Arbeitsmarktintegration von EBA-Inhabern/-innen

In einer Längsschnittstudie werden die Berufskarrieren der ersten Kohorte verfolgt, die im Jahr 2007 die zweijährige Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) im Detailhandel oder im Gastgewerbe abgeschlossen hat. Das Forschungsteam begleitet die jungen Detailhandelsassistentinnen und -assistenten sowie Küchen-, Hotellerie- und Restaurantangestellten aus den drei Sprachregionen der Schweiz seit ihrem Berufsabschluss und hat sie zu bisher vier Messzeitpunkten befragt. Für die Situation fünf Jahre nach Ausbildungsabschluss liegen Daten von 123 Personen vor. Dies erlaubt erstmals einen Blick auf die mittelfristige Arbeits-marktintegration von Berufsleuten mit Berufsattest. Die Studie wird vom EHB zusammen mit der HfH durchgeführt, das SBFI unterstützt sie finanziell.

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