Ausgabe 02 | 2012

ARBEITSMARKT

Serie «RAV im Porträt»

Ähnliche Voraussetzungen, unterschiedliche Schwerpunkte

Im ersten Vergleich von RAV, die dem gleichen Cluster angehören (vgl. PANORAMA 1/2012), werden zwei kleine, ländliche Stellen mit niedriger Zugangsquote und hohem Saisonarbeitsanteil vorgestellt.

Viktor Moser

FREIBURG SÜD




Durch die Zusammenlegung der drei kleinen regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) Greyerz, Glâne und Veveyse in ein einziges RAV am Standort Romont lassen sich die Führung vereinfachen und die Ressourcen besser nutzen. Besonders wichtig dabei ist für RAV-Leiter Dominique Dupré das Kompetenzzentrum «Stellenvermittlung», bestehend aus zwei Ansprechpersonen für Betriebe und einer Sekretärin. Dessen Hauptaufgaben sind die Arbeitsvermittlung und die gezielte Nutzung von Arbeitsmarktmassnahmen wie Einarbeitungszuschüssen oder Praktika.

Neu werden in den RAV des Kantons Freiburg auch Integrationszentren geschaffen. Je eine Personalberaterin und eine Sozialarbeiterin bilden jeweils ein Tandem, das ausgesteuerte Stellensuchende betreut. Hauptziel dieser Tandems ist es, den Stellensuchenden neue Impulse zu vermitteln.

Das A und O für den Erfolg des RAV bleiben die Fachkenntnisse der Mitarbeitenden. Im RAV Freiburg Süd sind dies 14 Personalberatende, 7 Sekretärinnen, 2 Kontaktpersonen für die Betriebe, 2 Teamleiter und der RAV-Leiter. Bei besonders schwierigen Fällen sind die Team- oder der RAV-Leiter Ansprechpersonen. Die einzelne Personalberaterin betreut ein breites Spektrum an Berufen, was die Motivation stärkt. Einer effizienten Arbeit förderlich sind zudem einheitliche Arbeitsprozesse, gebündelte Ressourcen und klar abgegrenzte Kompetenzen bei der interinstitutionellen Zusammenarbeit.

Zu Beginn der Arbeitslosigkeit werden die Berufsperspektiven der Stellensuchenden abgeklärt, unter anderem in Standortbestimmungs- und Stellenbewerbungskursen. Im Weiteren werden Stellensuchende in Beschäftigungsprogramme zugewiesen, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und neue Netzwerke zu bilden. Spezifische Kurse werden nur angeboten, wenn dadurch die Arbeitsmarktfähigkeit spürbar verbessert wird. Die vor allem im Baugewerbe tätigen Saisonarbeiter werden wie alle andern Stellensuchenden betreut.

CHUR


Regional gut vernetzt
Auf die schwankende Zahl von Arbeitslosen reagiert das RAV Chur gemäss RAV-Leiter Martin Deplazes pragmatisch. Grössere Sorgen bereiten ältere Stellensuchende. Dank des Tourismus sind immerhin Temporärstellen, etwa bei Bergbahnen, möglich. Namentlich gut qualifizierte Personen müssen jedoch für einen solchen Wechsel grosse (finanzielle) Kompromisse eingehen. Ungefähr die Hälfte der Stellensuchenden ist ungelernt. Dieser hohe Anteil geht auf die dominante Stellung der Gastronomie und Hotellerie in der Region zurück. Dort finden jedoch gerade Ungelernte wiederum am ehesten eine Saisonstelle. Die Saisonalität ist in Chur über die Jahre hinweg von 25% auf 35% angewachsen. Gesamtschweizerisch jedoch beträgt der Anteil aus saisonalen Branchen seit Jahren ungefähr 20%. Wenn allein aufgrund dieses Einflussfaktors das RAV bei der Wirkungsmessung unter den schweizerischen Durchschnitt fällt, rufe das bei den Mitarbeitenden Frust hervor, so Deplazes.

Im Churer Rheintal gibt es aber auch einiges an Industrie. In der überschaubaren Wirtschaftslandschaft sind die Firmenkontakte intensiv. Die engen Beziehungen der 12 RAVPersonalberatenden, 3 Teamleiter und des Leiters zu den betrieblichen Personalabteilungen sind ein grosses Plus, dank dem viele Stellensuchende vermittelt werden können. Mit aktuell 40 Fällen ist auch der RAV-Leiter in die Beratung eingebunden.

Bei den arbeitsmarktlichen Massnahmen hält sich das RAV an das sogenannte 3-R-Prinzip (die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort). Bei wenig motivierten Stellensuchenden werden aber auch Beschäftigungsprogramme als Druckmittel angewendet, mit dem Ergebnis, dass viele von ihnen relativ rasch eine Stelle finden. Zudem wird von Praktika reger Gebrauch gemacht. In Standortbestimmungs- und Stellenbewerbungskurse werden demgegenüber nur jene Personen geschickt, für die dieses Angebot einen Nutzen bringt.

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