Ausgabe 02 | 2012

Fokus "Gesundheitsberufe"

Ausbildungspolitik

Die Westschweiz setzt auf die Fachhochschule

Um der wachsenden Komplexität im Pflegebereich besser begegnen zu können und aufgrund der steigenden Nachfrage für akademische Ausbildungen bei den Jugendlichen bevorzugt man in der Romandie Gesundheitsausbildungen auf Hochschulstufe.

Von Nicole Seiler. Sie ist Leiterin des Bereichs Gesundheit der Fachhochschule Westschweiz.

Die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) verfügt über Ausbildungsstandorte in den sechs französischsprachigen Kantonen und dem französischsprachigen Teil des Kantons Bern. Sie umfasst sechs Ausbildungsbereiche und zählte im Jahr 2011 17 269 Studierende. Im Bereich Gesundheit werden die sieben Bachelor- Studiengänge angeboten: Pflege, Physiotherapie, Hebamme, Ernährung und Diätetik, Ergotherapie, Psychomotoriktherapie und Medizinische Radiologietechnik. Seit 2009 bietet die HES-SO gemeinsam mit der Universität Lausanne auch einen Master-Studiengang in Pflegewissenschaften an, den im Jahr 2011 2738 oder 16 Prozent der Studierenden an der HES im Bereich Gesundheit belegten.

Die Zunahme der Zahl der Studenten und Absolventinnen in Gesundheitsberufen zeigt, dass das Bildungsangebot bei den Jungen auf grosses Interesse stösst. Es trägt folglich auch dazu bei, die steigende Nachfrage nach Fachpersonen im Gesundheitswesen zu decken. Diese ist namentlich auf die alternde Bevölkerung und die Zunahme chronischer Krankheiten zurückzuführen.

Das Angebot der HES-SO

Das Angebot gründet auf vier Pfeilern: praxisorientierte Ausbildung, Weiterbildung, angewandte Forschung & Entwicklung sowie Dienstleistungen für Dritte. Interinstitutionelle Beziehungen sorgen auf nationaler und internationaler Ebene für die mit dem Bologna-System geförderte Mobilität. Das Bildungsangebot muss den Erwartungen der für die Gesundheitspolitik zuständigen Akteure von Bund und Kantonen entsprechen. Es muss sich ständig nach den von Ärzten, Spitälern, Heimpflege- und, Langzeiteinrichtungen usw. geäusserten Bedürfnissen richten.

Eine der Besonderheiten der Berufsbildung ist die enge Verknüpfung der in der Schule erworbenen theoretischen Kenntnisse mit dem praktischen Wissen, das die Studierenden während der Praktika bei ihren potenziellen künftigen Arbeitgebern erlangen. Zwecks Optimierung dieser dualen Ausbildung hat die HES-SO in Zusammenarbeit mit den soziomedizinischen Einrichtungen ein Dispositiv für die praktische Ausbildung geschaffen. Es sieht vor, dass die Ausbildung der Berufsbildnerinnen, die die Studierenden während ihres Praktikums betreuen, über den gleichen Fonds finanziert wird, mit dem auch die Einrichtungen entschädigt werden, die Praktikanten aufnehmen.

Die Gesundheitspolitik liegt im Zuständigkeitsbereich der Kantone, die historisch das Schweizerische Rote Kreuz mit der Definition der Ausbildungsanforderungen beauftragt hatten. In den 1990er-Jahren führte der schweizerische Perfektionismus zu immer mehr und sich überschneidenden Ausbildungen. Dadurch wurde die Übersicht über die verschiedenen Bildungsniveaus und die Arbeitsorganisation erschwert. Nach einer Befragung der Westschweizer Arbeitgeber beschlossen die französischsprachigen Kantone, die Ausbildungen im Gesundheitswesen neu zu organisieren. Im Jahr 2002 wurde die auf Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen spezialisierte HES-SO gegründet, deren Ausbildungen in der Westschweiz das einzige Angebot sind, während es in der Deutschschweiz auch andere Pflegeausbildungen gibt.

Ausblick

Der Bereich Gesundheit der HES-SO blickt in eine viel versprechende Zukunft. Dieses Jahr werden die ersten Absolventen des Masterstudiengangs in Pflegewissenschaften ihre Diplome entgegennehmen können. Im Einzugsgebiet der HES-SO wächst das Bewusstsein, dass der Zugang zu Ausbildungen im Gesundheitswesen auch Personen offenstehen muss, die Beruf und Studium miteinander vereinbaren müssen. Deshalb wird in naher Zukunft ein berufsbegleitender Studiengang in Pflege angeboten.

Der prognostizierte Mangel an qualifizierten Fachpersonen bestärkt die HESSO in ihrer Absicht, jungen Menschen auch in Zukunft attraktive Ausbildungen anzubieten, die den wachsenden Anforderungen an den Pflegeberuf gerecht werden.

Links und Literaturhinweise

Website HES-SO

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