Ausgabe 03 | 2012

ARBEITSMARKT

Profiling mit AVAM-Daten

Bessere Abklärungen dank dem «Jobchancen-Barometer»

Die Daten der Arbeitsvermittlungs- und Arbeitsmarktstatistik des Bundes könnten die Jobchancen-Profile von Stellensuchenden ergänzen. Zurzeit wird abgeklärt, wie ein solches Instrument ausgestaltet werden müsste.

Von Patrick Arni. Er ist Research Associate am Institut für die Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn und arbeitet mit der Universität Lausanne zusammen.

Die ersten Wochen und Monate nach der Anmeldung im regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) sind für die rasche Wiedereingliederung der Stellensuchenden zentral. Für die Personalberaterinnen und Personalberater besteht die Herausforderung darin, möglichst schnell, präzis und umfassend deren Arbeitsmarktchancen einzuschätzen. Das anfängliche Profiling zur Einschätzung der Jobchancen prägt die Entscheidungen bei der Wahl der Beratungsstrategie und für allfällige Zuweisungen zu Arbeitsmarktmassnahmen.

Um ein umfassendes Profil zu erhalten, sollten möglichst alle verfügbaren Ressourcen genutzt werden. Die Basis dazu liefern die vielen Informationen, die die Personalberatung während des Erstgesprächs mit dem oder der Stellensuchenden sammelt. Eine Ressource, die die Profil-Einschätzung sinnvoll ergänzen kann und die bisher noch brachliegt, ist das «Gedächtnis» des Informationssystems AVAM (Arbeitsvermittlungsund Arbeitsmarktstatistik) des Bundes. Diese von den RAV bewirtschaftete Datenbank enthält breite Informationen über vergangene Fälle von Stellensuchenden, die mit den Profilen aktueller Stellensuchender vergleichbar sind und deren realisierte Chancen (Dauer der Arbeitslosigkeit, gefundene Stelle usw.) direkt ablesbar sind.

Das Konzept des Jobchancen-Barometers basiert auf der Idee, dieses Gedächtnis zu nutzen, indem die Einsichten aus dem aktuellen Erstgespräch mit diesen Daten verbunden werden. Mittels eines statistischen Modells nutzt das Barometer die Daten des AVAM und kombiniert sie mit der anfänglichen Einschätzung durch die Personalberatung, um die Jobchancen der betreffenden Person genauer einzuschätzen.

Konkret füllt die Personalberatung nach dem Erstgespräch über ein Zusatz- Tool des AVAM einige ergänzende Fragen aus. Dieses Tool erstellt daraus eine Vorhersage mit der zu erwartenden Dauer der Arbeitslosigkeit des Stellensuchenden. Sie liefert auch eine Einschätzung, in welches Segment bezüglich Vermittelbarkeitschancen und Betreuungsbedarf die Person gehören könnte. In verschiedenen Kantonen (und seit der letzten Tagung der Arbeitsmarktbehörden auch in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe auf Bundesebene) wird aktuell diskutiert, wie solche Segmente und die dazugehörigen Triagekriterien am besten definiert werden könnten.

Zusätzliche Beurteilungsquelle

Der Nutzen und Hauptzweck eines solches Jobchancen-Barometers für Personalberatung besteht darin, die eigene Einschätzung bezüglich der Chancen des Klienten mit der Profil-Vorhersage des Barometers zu vergleichen. Da die beiden nicht auf demselben Hintergrund beruhen, kann das Profil der oder des Stellensuchenden unterschiedlich eingeschätzt werden – oder aber beide bestätigen einander. Der Vergleich der persönlichen Einschätzung und der Vorhersage liefert der Beratungsperson also eine zusätzliche Beurteilungsquelle, die sie für die Wahl der optimalen Beratungs- und Zuweisungsstrategie nutzen kann. Neben dieser Nutzung des AVAMGedächtnisses kann das Ausfüllen des Jobchancen-Barometers per se schon nützlich sein. Die Beantwortung der ergänzenden Fragen, beispielsweise zu Suchstrategien oder Motivation des Stellensuchenden, kann einen Anstoss geben, solche Aspekte in die persönliche Beurteilung des Profils des Klienten ergänzend oder verstärkt einzubeziehen.

Projektstart im Herbst 2012

Zurzeit wird in einer Vorstudie im Rahmen der dritten Evaluationswelle der Arbeitslosenversicherung abgeklärt, wie genau ein solches Jobchancen-Barometer für die Schweiz ausgestaltet werden müsste. Zentral ist die Frage, ob ein Modell erstellt werden kann, das bei den Profilen eine ausreichende Vorhersagequalität erreicht. Dabei kann auch auf Erfahrungen aus dem Ausland aufgebaut werden. So wurden zum Beispiel in den Niederlanden oder in Dänemark in den letzten Jahren derartige Profiling- Modelle entwickelt und getestet. Noch vor den Sommerferien findet die Vorstudie ihren Abschluss. Wenn sich dort herausstellt, dass ein qualitativ guter und mit wenig Aufwand handhabbarer Jobchancen-Barometer erstellt werden kann, wird dieses in der Folge in einem Pilotprojekt versuchsweise implementiert. Diverse Kantone haben bereits ihr Interesse signalisiert, ab Herbst 2012 am geplanten Pilotprojekt mitzuwirken. Weitere interessierte Kantone können ebenfalls noch teilnehmen.

Kommentare
 
 
 
imgCaptcha
 

Nächste Ausgabe

PANORAMA Nr. 6 | 2019 mit dem Fokus «Steigende Anforderungen» erscheint am 13. Dezember.