Ausgabe 06 | 2012

Fokus "Internationale Zusammenarbeit"

Internationale Kompetenz

Ein bunter Mix von Hard und Soft Skills

Wer im Ausland arbeitet oder bei einer multinationalen Organisation tätig ist, braucht internationale Kompetenz. Was das konkret heisst, hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Aber es gibt einen gemeinsamen Kern.

Von Frank Wittmann. Er ist Leiter Weiterbildung & Dienstleistung am Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Im internationalen Kontext sind Empathie und Kooperationsfähigkeit zentral.

Im internationalen Kontext sind Empathie und Kooperationsfähigkeit zentral.

Ein Blick in die Stellenanzeiger zeigt: Immer mehr Funktionsbezeichnungen sind in Englisch geschrieben, manche Inserate ganz in Englisch abgefasst. Anforderungen wie Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse sind heute die Regel.

Internationale Kompetenz umfasst aber mehr: Sie wird definiert als diejenigen Dispositionen, Wissensbestände, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es Individuen ermöglichen, effektiv und angemessen mit anderen Menschen in einem internationalen Kontext zu interagieren. Dies setzt bestimmte Kombinationen von Fach-, Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen voraus. Fachkompetenzen werden häufig auch als «Hard Skills» bezeichnet, während sich für die Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen der Begriff «Soft Skills» eingebürgert hat. Hard und Soft Skills bedingen sich jedoch gegenseitig.

Zur internationalen Fachkompetenz gehören international relevantes Fachwissen und das Wissen über andere Länder und Kulturen. Dieses Wissen ist aber erst nützlich, wenn Menschen auch die Fähigkeit haben, es in fremde Kontexte zu übertragen, dort anzuwenden und weiterzuentwickeln. Dazu zählt, dass eine gemeinsame Sprache gesprochen wird.

Reflexionsfähigkeit ist zentral

Im Bereich der «Soft Skills» ist Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Sicht der Dinge zu verstehen, eine wichtige Voraussetzung. Nur wer anderen Menschen zuhören und einen Dialog auf Augenhöhe etablieren kann, wird ein vertieftes Verständnis ihrer Lebens- und Arbeitswelt erhalten.

Empathie setzt eine gute Selbstwahrnehmung voraus. Die eigenen Werte, Gefühle, Routinen, Lebens- und Kommunikationsstile zu erkennen, zu verstehen und zu relativieren, ermöglicht eine offene und tolerante Haltung gegenüber Menschen mit anderen Werten, Gefühlen und Routinen.

Weiter gehört zum Arbeiten im internationalen Kontext, mit Unsicherheit konfrontiert zu sein. Häufig bleibt im Dunkeln, was andere Menschen denken. Die Ergebnisse des Tuns bleiben manchmal lange unsichtbar. International kompetente Menschen sind daher mental darauf vorbereitet, Unerwartetem zu begegnen, und sie bleiben in mehrdeutigen Situationen handlungsfähig und probieren kreative Lösungen aus.

Kooperationen eingehen

Eine weitere Komponente von internationaler Kompetenz ist Kooperationsfähigkeit – schliesslich geht es in der modernen Arbeitswelt um die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen erfolgreich zusammenzuarbeiten. Viele Organisationen achten bei ihrer Teamzusammenstellung gezielt auf eine internationale Mischung. Hintergrund dafür ist, dass heterogene Teams häufig kreativer und innovativer sind als homogene Gruppen.

Abschliessend ist das «Networking» zu erwähnen. Damit ist nicht etwa das Sammeln von Visitenkarten und die Anhäufung von Freunden auf Online-Plattformen gemeint. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, Beziehungen zu Menschen aus anderen Ländern aufzubauen und zu vertiefen. In den internationalen Arbeitswelten geht es häufig darum, dieses professionelle Beziehungsnetzwerk für sich arbeiten zu lassen, um etwas zu erreichen, was ein Individuum nicht alleine erreichen kann. Dazu ist es nötig, beim Verfolgen der Eigeninteressen Fairness walten lassen und auf Gegenseitigkeit bedacht zu sein. Nachhaltig sind Beziehungen nur, wenn alle Beteiligten von den Kontakten profitieren.

Links und Literaturhinweise

Wittmann, F., Bauer, M., Kloser, K. (2011): Internationale Kompetenz – Der Weg zu erfolgreichen Berufslaufbahnen im In- und Ausland. Bern, SDBB Verlag.

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