Ausgabe 03 | 2019

BERUFSBERATUNG

Umfrage

EBA Gesundheit und Soziales als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

In vier Westschweizer Kantonen wurde eine Umfrage zur EBA-Ausbildung Assistent/in Gesundheit und Soziales durchgeführt. Sie kommt zum Schluss, dass das Berufsattest die Erwartungen erfüllt und den Zugang zu einer EFZ-Ausbildung und zum Arbeitsmarkt erleichtert.

Von Alida Gulfi, Professorin an der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg (HETS-FR)

Seit 2014 strömen die Abgänger/innen der EBA-Ausbildung «Assistent/in Gesundheit und Soziales» (AGS) auf den Arbeitsmarkt. Die zur Behebung des Fachkräftemangels im Gesundheits- und Sozialwesen geschaffene Ausbildung bietet den Absolventinnen und Absolventen gute Aussichten auf einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt sowie auf eine berufliche Weiterentwicklung und erfüllt die Anforderungen der Arbeitgeber. Für Spitäler, Alters- und Pflegeheime sowie soziale Einrichtungen sind AGS unverzichtbare Arbeitskräfte, die die nötigen Qualifikationen mitbringen. AGS haben zudem die Möglichkeit, ihre Ausbildung fortzusetzen und ein EFZ als Fachfrau Betreuung oder Fachmann Gesundheit zu erlangen. Um mehr über die berufliche Laufbahn von AGS zu erfahren und zu prüfen, ob die Ausbildung den Bedürfnissen und Realitäten des Arbeitsmarkts entspricht, haben die OdA Gesundheit und Soziales der Kantone Freiburg, Jura, Wallis und Waadt die Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg (HETS-FR) mit einer Umfrage beauftragt. 228 französischsprachige AGS, die zwischen 2014 und 2017 ihr EBA in einem dieser Kantone erlangt haben, wurden zu verschiedenen Aspekten der Ausbildung, der beruflichen Eingliederung und der beruflichen Situation befragt. 97 Personen haben die Fragen beantwortet, was einer Rücklaufquote von 42,5% entspricht. 82% der befragten Personen waren weiblich, 57% waren Schweizer Bürger/innen.

Der Einstieg ins Berufsleben gelingt

Nach dem Lehrabschluss haben ausgebildete AGS gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zum Zeitpunkt der Befragung gingen 78% der Personen einer Berufstätigkeit nach, 17% befanden sich in einer Aus- oder Weiterbildung und nur gerade 5% waren erwerbslos. Der Grossteil der AGS ging einer Beschäftigung im Bereich Gesundheit und Soziales nach: 68% arbeiteten als AGS, 11% absolvierten die Ausbildung zur Fachperson Gesundheit (FAGE) und 10% waren in einer anderen Funktion im Gesundheitswesen tätig (unqualifizierte Tätigkeit, Pflegehilfe). Die Zahlen zeigen, dass die Ausbildung gut auf die künftige Berufstätigkeit ausgerichtet ist, zugleich stellt sich aber die Frage, welchen Platz der Bereich Soziales im Beruf einnimmt. Die mehr oder weniger guten Aussichten auf eine Anstellung sollten nicht über das erwähnte, nicht ganz so rosige Untersuchungsergebnis hinwegtäuschen, dass 10% der Befragten nicht als AGS angestellt werden, sondern andere Gesundheitsberufe ausüben. Dies deutet darauf hin, dass der Berufsabschluss noch nicht die nötige Anerkennung geniesst. Überdies geben 20% der AGS an, dass sie seit dem Lehrabschluss mindestens einmal die Stelle gewechselt haben. Als häufigster Grund werden befristete Arbeitsverträge, unbe- friedigende Arbeitsbedingungen oder der Wunsch nach einer anderen Berufstätigkeit angegeben.

Zufriedenstellende Anstellungsbedingungen

Die Mehrheit der Befragten, die als AGS angestellt waren, arbeiteten in einem Alters- und Pflegeheim (82%) oder einem Spitex-Dienst (11%), und zwar vorwiegend im Pflegebereich (92%). Die meisten AGS fanden eine Anstellung in ihrem Lehrbetrieb (62%), was von einem starken Engagement dieser Betriebe über die Ausbildung hinaus zeugt. Der Rest fand eine Stelle über eine Bewerbung auf ein Stellenangebot (17%), eine Blindbewerbung (15%) oder dank ihres Netzwerks (6%). Teilzeitbeschäftigung ist bei beiden Geschlechtern weit verbreitet, fast die Hälfte der AGS (48%) hat ein Pensum von unter 90%. Die Teilzeitbeschäftigung scheint aber selbst gewählt, 73% der befragten AGS gaben an, mit ihrem Beschäftigungsgrad zufrieden zu sein. Nur 20% der Befragten würden gerne mehr arbeiten. 88% der befragten Personen, die als AGS angestellt sind, haben einen unbefristeten Vertrag, und 67% haben ein Pflichtenheft, das insgesamt gut mit der tatsächlich ausgeführten Arbeit übereinstimmt. Diese Personen sind grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeit als AGS und schätzen insbesondere die Beziehung zu den Klienten, deren Angehörigen und den Arbeitskolleginnen sowie die Selbstständigkeit im Beruf. Weniger zufrieden sind sie mit dem Lohn und mit den Aufstiegsmöglichkeiten.

Zugang zum Arbeitsmarkt und zu weiteren Ausbildungen

17% der befragten AGS haben nach dem EBA ihre Ausbildung fortgesetzt, 12% von ihnen entschieden sich für eine EFZ-Ausbildung im Gesundheitswesen (FAGE, medizinische Praxisassistentin) und 5% für die Ausbildung zur Fachperson Betreuung. Am häufigsten wurde als Grund für die Fortsetzung der Ausbildung der Wunsch nach einer Vertiefung der Kenntnisse, nach einer besseren beruflichen Zukunft oder nach einem höheren Einkommen angegeben. Aus Sicht dieser AGS erfüllt die EBA-Ausbildung ihre Funktion als Sprungbrett in eine EFZ-Ausbildung. Allerdings kann das ihre Arbeitgeber auch vor neue Herausforderungen stellen. Zusammenfassend geht aus der Umfrage hervor, dass die Ausbildung gut auf die spätere Berufstätigkeit von AGS abgestimmt ist und sich nach den Bedürfnissen der unterschiedlichen beruflichen Umfelder richtet. Das zeigt sich etwa an den guten Chancen der AGS auf dem Arbeitsmarkt, an ihrer Zufriedenheit mit der Arbeit und der Tatsache, dass sie die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse im Beruf anwenden können. Für einen Teil der befragten Personen scheint die EBA-Ausbildung zudem den Weg zu einer EFZ-Ausbildung zu ebnen. Trotzdem werfen die Umfrageergebnisse auch Fragen zur künftigen Ausrichtung der Ausbildung und des Berufs auf, die es zu klären gilt. Es zeigt sich beim Berufseinstieg, dass der Pflegebereich im Vergleich zum Sozialbereich weitaus mehr Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Es stellt sich damit die Frage, ob Personen, die sich eine Anstellung im Sozialwesen erhoffen, mit der AGS-Ausbildung auf dem richtigen Weg sind. Die Dominanz des Gesundheitswesens erklärt sich mit der Tatsache, dass AGS hauptsächlich in Alters- und Pflegeheimen und bei Spitex-Diensten gefragt sind, in anderen Bereichen aber kaum. Es stellt sich folglich die Frage, ob die Ausbildung in sozialen Einrichtungen das nötige Ansehen geniesst.

Links und Literaturhinweise

Gulfi, A., Grand, O. (2018): Le devenir des personnes au bénéfice d’une attestation fédérale de formation professionnelle d’aide en soins et accompagnement. HETS-FR.

3 Fragen

Grosse Nachfrage

Anne-Catherine Charpilloz, Leiterin Pflege im Alters- und Pflegeheim Le Phare-Elim in La Tour-de-Peilz (VD)

(Bild: zvg)

Warum bilden Sie Assistenten/-innen Gesundheit/Soziales (AGS) aus? Da die Hauspflege ausgebaut wurde, kommen Betagte heute erst dann zu uns, wenn sie schon eine komplexere Betreuung benötigen. Deshalb brauchen wir mehr ausgebildetes Personal für die Grundpflege. AGS sind für uns dabei sehr wichtig. Dank ihrer soliden pflegerischen und sozialen Grundkenntnisse sind sie für den Umgang mit den Heimbewohnern gut gerüstet.

Wie läuft die Ausbildung ab?
Wenn unsere AGS nicht in der Schule sind, kümmern sie sich um die Heimbewohner. Die Jugendlichen sind sehr motiviert. Sie könnten nicht direkt in eine anspruchsvollere Ausbildung einsteigen, einige haben Mühe mit der Sprache. In der EBA-Ausbildung erwerben sie aber Kompetenzen, die ihnen eine weiterführende Ausbildung ermöglichen. Wir geben ihnen ausserdem einen Halbtag pro Woche Zeit für Stützkurse (meist Sprachkurse).

Wie bewähren sich die AGS?
Von den vier AGS, die wir ausgebildet haben, machen zwei bei uns die FAGE-Ausbildung, ein Absolvent hat uns verlassen. Die vierte Absolventin arbeitet noch bei uns als AGS, aber auch sie wird später eine weiterführende Ausbildung absolvieren. Für diese Jugendlichen ist die EBA-Ausbildung ein Sprungbrett in weitere Ausbildungen, und das ist gut so. Damit wir unsere AGS ins Team integrieren können, haben wir ihre Rolle gut definiert und erklärt. Ich bin von der AGS-Ausbildung überzeugt. Wir benötigen aber mehr Lernende. (aw)

Kasten

Zahlen und Studien: Wie weiter nach dem EBA?

Gegenwärtig gibt es 56 EBA-Ausbildungen. Zu den beliebtesten gehören die Ausbildung zur Detailhandelsassistentin EBA, zur AGS EBA und zum Büro-assistenten EBA. Im Jahr 2017 wurden 6512 EBA ausgestellt, das entspricht einem Anteil von 9,5 Prozent aller Abschlüsse der beruflichen Grundbildung. Seit der Einführung des EBA im Jahr 2004 wurden fast 50'000 Berufsatteste ausgestellt. Die EBA-Grundbildung richtet sich an Jugendliche mit vorwiegend praktischen Fähigkeiten und will diesen einen niederschwelligen Zugang zur Berufsbildung und eine dauerhafte Einbindung in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Bisher wurde die Erreichung dieser Ziele in drei umfassenden Studien überprüft (vgl. PANORAMA 6/2010; 5/2013; 6/2013; 6/2015; 4/2016; 2/2018). In einer Längsschnittstudie der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) und des EHB wurde in zwölf Kantonen aus allen Sprachregionen der Schweiz die berufliche Laufbahn des ersten Jahrgangs von EBA-Absolventinnen und -Absolventen in den ersten vier EBA-Ausbildungen (Detailhandel und Gastgewerbe) bis fünf Jahre nach Ausbildungsende (2005–2012) untersucht. Zwei weitere Untersuchungen in allen EBA-Bildungsgängen wurden 2010 und 2016 schweizweit im Auftrag des Bundes durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen fielen insgesamt positiv aus und attestierten den EBA-Inhabern eine gute Arbeitsmarktfähigkeit und der Ausbildung eine hohe Durchlässigkeit (ein Viertel der Absolventen und Absolventinnen macht anschliessend eine EFZ-Ausbildung). Die aktuellsten Daten des Bundesamts für Statistik stammen aus dem Jahr 2017, neuere längerfristige Untersuchungen fehlen. Die HfH und das EHB arbeiten zurzeit an einer Studie (LUNA), welche die Situation von EBA-Lernenden in den Bereichen Bau, Gastgewerbe, Holzbearbeitung und Hauswirtschaft in neun Deutsch- und Westschweizer Kantonen beleuchten soll. Die Studie analysiert derzeit, wie es um die berufliche Integration ein Jahr nach Abschluss der EBA-Ausbildung steht. (aw)

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