Ausgabe 03 | 2019

Fokus "Fachkräftemangel"

Wallis

«Synergien von Volkswirtschaft und Bildung nutzen»

Christophe Darbellay ist Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft und Bildung des Kantons Wallis. Er berichtet über die Massnahmen, mit denen der Kanton den Fachkräftemangel bekämpft.

Interview: Christine Bitz, PANORAMA-Redaktorin

Christophe Darbellay, Walliser Staatsrat (Bild: Oliver Maire)

Christophe Darbellay, Walliser Staatsrat (Bild: Oliver Maire)

PANORAMA: Mangelt es im Kanton Wallis an Fachkräften? Christophe Darbellay: Wie in anderen Kantonen gibt es auch im Wallis bereits jetzt einen Fachkräftemangel, namentlich in den Bereichen MINT, Pflege, Tourismus und besonders im Lebensmittelbereich. Der Mangel in den MINT-Berufen ist wegen der Bedeutung der Industrie für unseren Kanton besonders beunruhigend.

Welche Massnahmen wurden ergriffen?
Als Erstes wurden Volkswirtschaft und Bildung in einem Departement zusammengefasst, um so möglichst alle Synergien zu nutzen. Ein weiteres Beispiel sind Sensibilisierungsmassnahmen im Bereich der Berufswahl, etwa die Schaffung der Berufsmesse.

Und im Bildungsbereich?
Die HES-SO Valais-Wallis hat den deutschsprachigen Studiengang Biotechnologie eröffnet, um die Nachfrage nach Fachkräften für das «Ibex»-Projekt des Chemiekonzerns Lonza zu decken. Zudem haben wir 2017 in Monthey die Interkantonale Berufsfachschule für Chemie (EPIC) gegründet.

Im Rahmen der Fachkräfteinitiative hat ihr Departement ein Programm für Pflegefachpersonen lanciert.
Genau. Wir haben eine Weiterbildung geschaffen, die diplomierten Pflegefachpersonen den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert und ihr Wissen auf den neusten Stand bringt. Der zweiwöchige Kurs wird auf Deutsch und Französisch angeboten.

Verfügen Sie über ein Monitoring, das über die Zahl der kurz- und mittelfristig zu besetzenden Stellen Auskunft gibt?
Unser Ansatz ist eher intuitiv. Es ist immer schwierig, den künftigen Bedarf vorherzusagen. Dafür müsste man schon hellsehen können. Hinzu kommt, dass 60 Prozent der Berufe, die in zehn Jahren ausgeübt werden, heute noch gar nicht existieren. Ausserdem müssen die einzelnen Branchen für ihre Berufe werben.

Ist auch die Erwerbsbeteiligung der Frauen ein Thema?
Darüber wird viel gesprochen, und darüber muss gesprochen werden, auch wenn es ein heikles Thema ist: Ob eine Frau ihren Beschäftigungsgrad erhöhen will, ist eine persönliche Entscheidung. Auch Männer müssten die Möglichkeit haben, ihr Arbeits-pensum zu reduzieren, was bei annähernder Vollbeschäftigung nicht einfach ist. Ich stehe dem Departement mit den meisten weiblichen Mitarbeitenden vor. Ich habe festgestellt, dass die meisten Gesuche von Frauen eine Reduktion des Beschäftigungsgrads betreffen.

Kommentare
 
 
 
imgCaptcha
 

Nächste Ausgabe

PANORAMA Nr. 6 | 2019 mit dem Fokus Steigende Anforderungen erscheint am 13. Dezember.